Tagebuch Südafrika / Namibia von Hans Well |
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Donnerstag der
29.3.2007
Abflug über Paris nach Johannesburg mit schlechtem Gewissen.
Die Klimabilanz des Fluges ist verheerend.... ! Ich beschließe,
mir dieses Jahr eine Photovoltaikanlage zum Ausgleich abzuwürgen
. Ankunft in Johannesburg am Freitag den 30.3. um ca. 10 Uhr,
keine Zeitverschiebung. Wir haben 21 Musikinstrumente dabei.
Eine logistische Herausforderung bezüglich des Transports
zum Goetheinstitut.
Der „ lokal Goethe“ Nikolai Petersen holt uns mit einem Bus ab. Er
ist ein Nachfahre der Auer Brauerei Rosenheim. Das schafft Vertrauen!!! Auf der
Fahrt ins Goetheinstitut fällt uns ein Sendebaum ins Auge, ein Sendemast,
der als Baum verkleidet ist. Wir fotografieren auf unserer Reise mindestens 20
davon. Herr Petersen erzählt uns profund über die Verhältnisse
nach der Apartheid hierzulande.
Schnell sehen wir einige Probleme Südafrikas : Kriminalität und als
Folge der Geschichte nach wie vor völlig getrennt lebende Parallelgesellschaften.
Die Weißen wohnen in eigenen Stadtteilen, die Farbigen genauso und die
Schwarzen auch . Auf den Mauern um unser Hotelhäuschen steht am Elektrozaun:
armed response! Na Prost ! Wir testen Windhoeker Lager, das Bier einer deutschen
Brauerei aus Namibia. Schmeckt verdächtig nach Paulaner.... Am Abend sind
wir eingeladen bei der Familie Petersen zum Abendessen. Was gibt’s? Weißwürschte
aus Pretoria. Öha ! Es ist lange nach 12 Uhr Mittag und die Weißwurscht
ist mindestens 5 cm länger als erlaubt - trotzdem nicht schlecht. Wir treffen
dort außer vielen Deutschen auch den Leiter einer Gumboot – Truppe,
mit der wir am nächsten Abend im Goetheinstitut einen Auftritt bestreiten
wollen. Er kommt aus Heidelberg ( Südafrika) und ist ein verdammt guter
Fußballspieler. Beim Match gegen ihn und ein paar andere Kinder verliert
Bayern seinen Nimbus und völlig unverdienterweise ca. 10 : 2 ! Ein schlechtes
Omen für 2010....! |
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Sendebäume |
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Samstag der 31. 3. Mamelodi
Wir brechen nach einem guten Frühstück auf in einen
schwarzen Township namens Mamelodi zu einem Workshop mit dortigen
Musikgruppen. Ankunft in einer Kulturhalle, in der schon viele
Kinder, Jugendliche, Erwachsene und einige Musiker auf uns
warten. Geleitet wird das Kulturzentrum von Junior Makwele,
einer eindrucksvollen Respektsperson . Vier Musiker spielen
zur Begrüßung ein paar Stücke im Dollar Brand-
Sound .Gute Jazzmusik mit Trompete, Saxophon, Schlagzeug und
einer Art Hammondorgel. Wir kontern mit Alphorn, Steirischer,
Hackbrett, Drehleier und zeigen verschiedene Instrumente, die
man hier nicht kennt.
Danach singt eine Gruppe von Schwarzen. Wir verstehen den Zuludialekt
zwar nicht, aber bei der unglaublichen Ausdruckskraft dieser
Stimmen läuft es einem kalt den Buckl runter. Musik ist
hierzulande mit einer Bewegung verbunden , die unsereins wie
Eiszapfen ausschauen lässt. Wir kontern zur großen
Belustigung der Einheimischen mit einem Schuhplattler. Anschließend
lernt der Michal, einen „ Boarischen „ mit allen
Anwesenden ein. Danach bringen sie uns einen afrikanischen
Tanz bei. We really tried our very best.....!
Am Bühnenhintergrund des schlichten Beton- Kulturhalle
ist mit Graffitis eindringlich auf ein anderes Hauptproblem
Afrikas hingewiesen, von dem auch das Melodram einer Theatergruppe
handelt, die als nächstes auftritt: Aids! Sehr viele Menschen
auch in diesem Stadtteil sind davon betroffen, auch viele Kinder.
Eindringlich fordern die Graffiti auf, Kondome zu benutzen.
Das Singspiel einer Theatergruppe, das auf englisch vorgeführt
wird und Aids thematisiert, geht einem schon sehr an die Nieren.
Nachdem wir ca. 2 Stunden miteinender musiziert haben und die
Leute von Mamelodi Klapptanz, Woaf, Woidhansl und Boarischen
wesentlich überzeugender und lebendiger drauf haben als
die meisten bayrischen Trachtler, verabschieden wir uns nach
einem Fußballspiel ( das Ergebnis verschweigen wir lieber)
und gemeinsamen Essen mit dem gegenseitigen Wunsch, uns hier
oder bei uns wiederzusehen. Wir haben auch ein paar Wörter
auf Zulu gelernt: , Ahe- Griaß di, siobonga- Danke! Uselimi-
du Volldepp!
Abends lernen wir noch den berühmtem Fotografen und Appartheidschronisten
Schadeberg und seine Frau sowie den wunderbaren Denis Goldberg
kennen, einen weißen ANC Aktivisten, der zur Begrüßung
Berthold Brecht zitiert. Für seine Überzeugung, dass
Apartheid menschenverachtender Rassismus ist, saß er
22 Jahre lang im Gefängnis. Er wird uns morgen durch das
Apartheidmuseum führen. ! |
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Sonntag der 1. April
10 Uhr: Führung durch das Apartheidmuseum mit Denis
Goldberg. Allein das macht die Afrika - Reise schon zu
einem Erlebnis,
das ich nie vergessen werde. Denis Goldberg ist der Sohn
jüdischer
Eltern und wurde vor 75 Jahren in Kapstadt geboren. Er war
als weißer Apartheidgegner bei der Apartheidregierung
besonders verhasst. Im Museum zeigt uns der Kampfgefährte
Mandelas die Ausstellung. Es fällt ihm sichtlich schwer,
z.b. vor der Nachbildung einer Zelle zu stehen, in der er
einige Jahre Isolationshaft verbrachte, unter der Nachbildung
der
Galgen, auf denen im Raum über seiner Einzelzelle Menschen
gehängt wurden. Trotz alledem ist Denis ein erstaunlich
humorvoller Mensch. Obwohl ihm die schönsten Jahre seines
Lebens von dieser Politik geraubt wurden, unterstützt
er die Versöhnungskommission. 17 Uhr 30 beginnt im
Goetheinstitut der Auftritt der Gumboot Gruppe aus Heidelberg
(S.Afrika).
Viele Weiße, hauptsächlich Deutsche sind im GI
( Joburg ist Produktionsstätte von Mercedes Siemens
usw.)! Gumboot- , also Gummistiefeltänze sind so was
wie Schuhplattler, die sich in den zahllosen Goldminen Johannesburgs
als Verständigungsmethode
der schwarzen Arbeiter entwickelt haben, weil sie dort nicht
reden durften. Dabei schlagen sich die Tänzer auf die
Stiefel, und erzeugen damit ein klatschendes rhythmisches
Geräusch. Gumboot- Tänze sind eine echt fetzige
Sache und haben eine frappierende Ähnlichkeit mit einem
Schuhplattler, bloß ein bisschen rhythmischer und meistens
mit Gesang. Die Gruppe ist saugut!!!
Bei unserem Auftritt rede ich anfangs noch englisch, irgendwann
geb ich’s auf. Die Leute verstehn uns auch so oder
gar nicht. Ich verweise auf die Ähnlichkeiten Afrikas
zu Deutschland: Hier armed response - bei uns Beckstein,
hier hohe
Kriminalität - bei uns Siemens! Ich teste ein für
diese Reise getextetes Lied auf Englisch: Please be nice
to the Germans! Kann den Text nicht ganz auswendig und muß ablesen,
aber es kommt ganz gut rüber und die nicht Deutschen
freuen sich. Zum Schluß des Programms spielen wir mit
unseren mitgereisten Kindern – Maria, Mathias, Maresa,
Sarah, Tabea und Jonas- zusammen zwei Stücke. Anschließend
wird mit den Gumbootlern in der Garderobe Gumboot Dance gelernt,
dass es bloß so kracht...! Wir sollten einmal was zusammen
mit denen in Bayern machen!
Please be nice to the germans
Please be nice to the germans- don’t call us Krauts, it`s really very
mean
We are really very sensitive people- since the last war we don’t march
we dribble
And above all we are very very clean
Is it our fault that we are the world best- better football players than
the worlds rest
when world championship 2010 here does really begin- you will see who the
tropy will win
But don’t oil in the fire pore- don’t mention quarter final Italy –Germany
2:0 any more Please
don’t be so beastly to the germans, we are going correct our
way
That we are stern is only a bad rumour- you could learn a lot from german humour
Statisticly proved we laugh three times a day
May be for some Afrikans german jokes are not witty- if they come by mistake
into an east german city
but coulored people shouldn’t touch east german no go area meridians-
some germans are radical comedians
so please don’t at us fun poke- german humour is really no joke
Please be nice to the germans, we were never bad colonialists in Afrika
Namibia we did only support- but our time there was too short
so we sent Heino later to this native resort
Schwarzbraun ist die Haselnuß.....
we germans were allways on the right side- helped mightfully against the apartheid
Honnecker helped you for revolution-Mercedes for Botho`s final solution
So please give the germans your thank- not to Honnecker! but to Mercedes and
the german bank
Schluß in Namibia:
Heino to this native resort…….
The SWAPO party can learn a lot from bavarian government- how to get majority
of 60 Prozent
So study the bavarian democracy way- listen, what Erwin Huber and Beckstein
say
And you reach for ever absolut majority - so good luck and happy democracy!!!
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Montag, der 2. April
Freier Tag, wir fahren zum Pilanesberg und schauen Viecher
an. Auf dem Rückweg werden wir durch Sun City gefahren,
ein absurdes Golfplatz - Las Vegas eines amerikanischen Investors
mit Wasserfällen und Superhotels mitten im regenarmen
Gebiet, in dem der wertvolle Rohstoff Wasser hirnlos verdampft
wird. Ganz schön pervers!!! |
Dienstag,der 3. April: Soweto
Wir fahren vormittags zu dem Platz, an dem bei einem Sternprotestmarsch
von Schülern vor ca. 20 Jahren der Schüler Hector
Pieterson von der Polizei erschossen wurde. Heute eine Gedenkstätte.
Zudem besuchen wir das Haus von Nelson Mandela. Soweto ist
der einzige Stadtteil der Welt, in dem 2 Nobelpreisträger
in eine Strasse gewohnt haben. Soweto scheint sozial sehr
intakt zu sein, es gibt dort auch kaum Kriminalität.
Wir treffen einen Kulturinitiator, der dort Theater mit jungen
Leuten macht. Leider ist die Zeit zu kurz, denn der Flug
nach Namibia mit allem, was dazu gehört, droht: Einladen
und verstauen von Instrumenten, Zoll. !
3. April 16 Uhr : Namibia, Windhoek
Am dortigen Zoll langer Aufenthalt. Spielen Sie wirklich alle
diese Instrumente? Die Zollbeamtinnen sind skeptisch, glauben
uns nicht. Wir schlagen vor, auszupacken und vorzuspielen.
Entsetzen, Panik in den Gesichtern ! Wir können gehen.
Die Methode müssen wir uns merken! Mit dem Bus werden
wir zum „ Safarihotel „ gefahren, einem Hotelkomplex
sozialistischer Architektur. Und – vor allem - direkt
neben dem Windhoeker Stadtflughafen gelegen. Safari zum lustigen
Dezibel. Wir sind abends vom Goethe Zentrum Namibia eingeladen
in Joes Biergarten. Eine Einladung mit doppeltem Boden. Wir
realisieren, dass lokal Goethe Windhoek Frau Schulte die Einladung
auf Essen und Trinken im Biergarten nur ideell versteht! Die
bayrischen Traditionen bezüglich der Behandlung von Musikanten
sind dort nicht bekannt! Mit 3 Windhoek Lager in die Safari-
Falle. Morgens um 6 Uhr startet direkt neben meinem Ohr so
was wie ein Jumbo. Ich bin in Namibia! |
Mittwoch
der 4. April: Windhoek – Katutura
Am Vormittag spielen wir in einem Kulturhaus in Kattutura,
einem Stadtteil, in dem bis vor 14 Jahren die Schwarzen nach
der Arbeit wohnten. In der Stadt Windhoek zu wohnen war ihnen
verboten. Früher Schwarzenviertel- heute genauso! Die
gleiche Parallelgesellschaften wie in Südafrika! Statt
einer Stunde spielen wir zusammen ca. 2 ½ . Wir singen
und tanzen wie auf einem Tanzfloor Brettl bei uns daheim
in Hausn beim Eder. Unsere Kinder sind vom Tanzen her schon
Afrikaner geworden!
Danach laden wir ein paar Leute der Kulturgruppe in eine
Boazn um die Ecke ein. Eine Frau, eine Herero hat in Ost-Berlin
studiert.
Ihr Großvater war Deutscher. Unsere Vorfahren haben dort
Geschichte gemacht. Ca.70000 Hereros wurden nach einem Aufstand
in die Wüste getrieben und von Wasserlöchern so lange
ferngehalten bis die meisten verdursteten. Lettow Vorbeck und
Trotha, die die Gräuel verübt haben, sind in Deutschland
noch immer auf Straßennamen geehrt. !
Am Abend um 8 Uhr Auftritt im Warehouse:
Knackvoll! Manche Namibia-Bayern sind zum Teil bis 600 km weit
für diesen Abend gefahren. Wir sind unter Weißen!
Das Publikum besteht überwiegend aus wilhelminische Preißn!
.Von der Atmosphäre her ein Auftritt wie früherszeiten
im Muh in München. Unser Bruder Karli, der mit dem Motorrad
3 Monate lang unterwegs war von Gallenbach / Aichach durch
ganz Afrika mischt uns die Anlage. Als ich das Lied “Werden
Sie doch einfach reich“ ansage mit dem Vorsatz: Und nun
ein Tip, wie die schwarze Bevölkerung Afrikas sich aus
seiner Armut befreien kann ruft eine Frau dazwischen: „Arbeiten!“ Na
ja, die einzigen Menschen, die wir hier arbeiten sehen sind
Schwarze. Aber der Auftritt ist trotzdem eine Gaudi. Der Mann
von der Hanns Seidl Stiftung besteht danach auf den Text, den
ich als CSU Mann hier den „Negern“ zur Erklärung
der bavarian Democracy (frei nach G. Polt) vordoziert habe.
Nach dem Auftritt hab ich Hunger und Durscht! Das Goethe Institut
ist außerstande, mir zu helfen. Eine fürwahr trockene
Baustelle. Morgens um 6 Uhr wieder der Jumbo. ! |
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Donnerstag der 5.April-Swakopmund
Nach ca. 4 Stunden Geradeausfahrt durch Busch, Steppe und Wüste
sehen wir vor uns eine Nebelwand. Swakopmund am Atlantik! Das
Sylt Namibias. Sanddünen, blonde Menschinnen, Preußen!
Amtsgericht, Stadtmitte, deutsche Straßennamen wie in
Windhoek aber noch extremer. Die Tiger-reefbar, wo unser Auftritt
stattfinden soll ist vollkommen überfüllt. Die Bühnensituation
problematisch. Hinter uns das Rauschen der nur ca. 40 m entfernten
Meeresbrandung, um uns herum ca. 300 Menschen, die teilweise
hinter uns sitzen. 1 Mikrofon! Die Instrumente sind vom Meer
ganz klamm und feucht, verstimmen sich grausig. Zuerst kommen
eine Marimbagruppe und ein schwarzer Chor- angeführt von
einer älteren Weißen. Das beste Publikum bei unserem
anschließenden Auftritt sind wie meist die Schwarzen
Musiker und das (selbstverständlich schwarze) Grillpersonal.
Goethe unterstützt den Auftritt wieder vor allem ideell!
Kein Bier, kein Wasser! |
Freitag der 6. April
Heute haben wir einmal frei. Wir machen eine Tour mit dem Katamaran
aufs Meer zusammen mit Robben, die aufs Boot kommen zum Frühstück
und uns unseren Fisch wegfressen. Ein Mondfisch, genannt
Mola Mola wird im Wasser gesichtet. Sonst sehen wir vor allem
die rießigen Fangflotten von russischen und spanischen
Schiffen, die als Entgeld für frühere Waffenlieferungen
an die SWAPO jetzt mit riesigen Schleppnetzen die Küste
des am fischreichen Belugastrom gelegenen Namibias abfischen
dürfen. Die Verarbeitung in Konserven, alles geschieht
an Bord, für die Namibier bleibt nichts außer
den ausgedienten verrosteten Schiffswracks, welche die Russen
einfach an der Küste zurücklassen. |
Samstag der 7. April
Durch die Namibwüste und eine spektakuläre Mondlandschaft geht’s
auf einer Staubstraße 7 Std. lang zum Flughafen. Wir rasten auf einer von
einem Kassler geführten Farm. Er hat 150 qm Photovoltaikzellen auf dem Dach
und eine kleine Halle voller Batterien zur Stromspeicherung. Allmählich
kommen Solar und Windenergie (Windhoek heißt Windeck), sagt er mir. Allerdings
sehr langsam, denn die billig importierte Energie aus Südafrikanischen Kohlekraftwerken
behindert das Entstehen regenerierbarer Energien, die dort beste Vorraussetzungen
hätten.
Ankunft Kapstadt Samstag abend um 9 Uhr. Wir fahren zur Villa Mediterrenean,
unserem Heim. Diese Villa, sehr schön gelegen und gebaut gehört den
deutschen Bischöfen. Wenn die wüssten, wer da in ihren Bettchen schläft...
.!! Nicht schlecht, wie die dort leben und für uns nach dem Safari Startbahn-Hotel
Windhoek eine Erholung. |
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Sonntag der 8. April
Ostersonntag. Wir sollen in einem schwarzen Township namens
Gugulethu in der Kirche spielen, d. h. vor allem unsere Kinder.
Als wir ankommen steht Polizei da. Unsere Musikinstrumente
werden untersucht und geröntgt. Wir dürfen passieren
und in die Kirche rein. Ein Polizist kommt und erklärt
uns, dass sie alles durchsuchen müssen, weil die Vizepräsidentin
Südafrikas an dem Gottesdienst teilnehmen will. Die Kirche
füllt sich. Ca. 500 Leute. Alle singen und tanzen immer
wieder durch die Kirche. Der Chor singt, dass es eine Freude
ist, die Marimbaspieler klöpfeln, die Vizepräsidentin
kommt - die Messe beginnt. Unsere Kinder spielen einige Stücke,
der Stofferl spielt bei den Marimbaspielern mit, wir blasen
in die Alphörner, es ist ein unglaubliches Spektakel und
der schönste, lebendigste Gottesdienst den ich je erlebt
hab. Anschließend gehen wir durch den Township. Armut
rundrum. Die Chorleiterin erzählt uns vom Widerstand gegen
die Apartheid, der auch von der Kirche hier mitgetragen wurde.
Der frühere Pfarrer, ein Ire, wurde mehrmals deportiert.
Im Gemeinschaftsraum sehe ich – es haut mich schier aus
den Socken- Fotos eines mir wohlbekannten Schwarzen: Edmund
Stoiber samt Karin war auch schon da! Die Leute - hingewiesen
darauf, dass hier einer der größten Häuptlinge
des Schwarzen Bayerns, einer der größten Redner
Europas hängt, erklären, nicht zu wissen, wer Stoiber
ist. Des sogn ma eahm!!!!
Um 4 Uhr nachmittags ein Auftritt im Paulanerbräuhaus
an der Waterfront
Ich hab Paulanerbier noch nie gemocht! Dieser Auftrittsort-
man muß es leider sagen-, war noch schlechter als das
Bier. Kellnerinnen, die durchliefen, eine Theke im Hintergrund,
keine Bühne, keine Mikrofone! Ach Goethe! Wir sollen im
Ernstfall Frau Wurster anrufen. Frau Wurster, stellt sich heraus,
ist im Urlaub. Der Wirt ist irritiert, als wir ihm sagen, dass
wir keine Blasmusik sind, sondern Texte singen, die verstanden
werden wollen. Wir ziehen ca. 45 Min. durch. Bartl Grill, langjährigen
Afrikakorrespondenten der „Zeit“ und guter Bekannter
aus früheren Tagen erlöst uns und bringt uns anschließend
wenigstens was zum Trinken. Er erzählt uns, dass draußen
eine Marimbagruppe Straßenmusik macht und wir doch lieber
draußen spielen sollten. Das machen wir. Die Marimba-Spieler
lassen uns 10 Min. allein spielen. Es sammeln sich ca. 200
Leute. Anschließend spielen wir mit den Musikern zusammen.
Nach dem Paulaner eine Reha! |
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Montag der
9. 4.
Ich mach mit meinen Kindern einen Workshop in Kyalitsha, (einem
Township nahe Kapstadt) mit einem Orchester, das im Rahmen
eines Out-reach Programms gebildet worden ist. Man versucht
mit dieser Initiative, Kindern in Slums das Erlernen eines
Musikinstrumentes zu ermöglichen. Es gibt 4 Celli, (allein
30 Kinder und Jugendliche wollen Cello lernen) 2 Bratschen
und ca. 8 Geigen. Mehr Instrumente, erklärt uns der
indischstämmige Dirigent und Geigenlehrer, haben sie
einfach nicht. Sarah und Tabea spielen mit bei einem Orchesterstück
mit. Anschließend führen uns eine Flöten,
Tanz und Bläsergruppe ein paar Stücke vor. In der
Blechhalle sind ca. 100 Erwachsene versammelt, die zuschauen,
Eltern, Geschwister, Neugierige . Nachdem unsere Kinder in
der Tanzgruppe mitgemacht haben zeigen wir ihnen den Klapptanz
und den Siebenschritt. Alle tanzen gleich mit viel Gaudi
mit. Sarah, Tabea und Jonas spielen jeweils ein Stück
vor. Die Kinder schließen schnell Freundschaft. Ein
schöner, anstrengender Vormittag. Danach wird im Atlantik
Basket (griechisches Fischlokal) eine Fischplatte verputzt.
Die Kellner staunen! Da bleibt nix aufm Teller! |
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Dienstag der 10. 4.
Freier Tag !!! Kap der guten Hoffnung- baden im ca. 8 Grad
kalten Meer- Norbert, ein Weltenbummler, der lange in Marrakesch
gelebt hat und nun in Kapstadt gelandet ist, führt uns
zu den Sehenswürdigkeiten. Er unterstützt das out
reach Programme und andere kulturelle Aktivitäten in
Kapstadt. Schön, ihn, kennengelernt zu haben. Er unterscheidet
sich wohltuend von zahlreichen anderen Deutschen, die ihren
Rassismus offen und unaufgefordert äußern.
Sätze wie z.b. „Ich gehe jetzt nach Australien,
da ists genauso schön wie hier aber ohne Neger! Die arbeiten
alle nix und haben so lange Finger“ sind an der Tagesordnung
. Sätze von sogenannten „normalen“ Menschen,
die sich selber aber niemals als Rassisten sehen würden. |
Mittwoch der 11.4
Am letzten Tag bis 3 Uhr frei. Wir kaufen Biltong, getrocknetes
Fleisch ein. Meine Kinder lieben es. Wir sollen am Abend
am Marinestützpunkt ....... ein lockeres Treffen mit
einem Marinechor spielen. Maresa (Tochter Stofferls) ist
um 3 Uhr noch nicht da . Sie lässt sich „Braids“ flechten.
Wir holen sie aus dem Friseursaloon. Die Frisur passt super
zum Diandl. .......
Marinestützpunkt SimonsTown
Wir treffen uns mit einem Chor schwarzer Sänger zu einem
Workshop. Ein schönes Theater.
Der Chor singt, daß es bloß so donnert. Jeder der
Gruppe führt einen kleinen Tanz auf. Stofferl kreiert
einen Schuhplattler – Samba und wird dafür gefeiert.
Anschließend spielen wir noch eine halbe Stunde. Wir
haben jetzt allmählich Routine bei solchen Auftritten,
also ist es Zeit, heimzufahren. Der Marineadmiral ist ein sehr
lustiger und guter Typ. Er macht mit der Förderung schwarzer
Jugendlicher im Marinechor so eine Art Sozialarbeit. Kommt
selbst aus sehr armen Verhältnissen, war während
der Apartheid - wie er sagt - auf der falschen Seite. Erzählt
mir von einem Besuch in einem Kloster in Bayern, das über
einem See liegt und wo es sehr starkes dunkles Bier gab, holy
beer! Yes, it`s Andechs! Ich frag ihn zur Ammerseedampferflotte
- hat er glatt übersehen!
Er erklärt sich bereit, den Transport von Musikinstrumenten
mit der Marine von Bremen aus zu übernehmen ! (Die Blasinstrumente
für die Navy Band und die Streichinstrumente für
das Out-reach program Kyalitsha, die wir sammeln wollen)
Peter Heller, der Chef des Filmteams des WDR, lädt uns
abschließend zum Essen ein. Der hat Anstand der Mo! (im
Gegensatz zu manchem lokal Goethe). |
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12. April
Rückflug am Donnerstagmorgens um 7 Uhr
Aufstehen um 4 Uhr. Am Flughafen Ärger mit einer Frau
Müller von LTU. Die ist dermaßen unfreundlich, lässt
uns die alte Tuba nicht an Bord nehmen. Die muß ins Sperrgepäck.....,
welcome in Deutschland!
LTU hat 3 Tickets zu wenig ausgestellt. Der Computer von LTU
spinnt. LTU auch! Und die Frau Müller ist weiterhin granatenmäßig
unfreundlich! Mit denen flieg ich nicht mehr! Überhaupts
flieg ich nicht mehr, das nächste mal fahr ich mit dem
Zug nach Afrika! Scheiß Fliegerei!
Während des Fluges lese ich das Buch von Bartholomäus
Grill „Ach Afrika“. Hätte ich doch dieses
wunderbare Buch bloß vorher gelesen...! Die Bücher
von dem kürzlich verstorbenen Reiseschriftsteller Kapuscinski
werde ich mir alle kaufen. Die Reise war zwar das Gegenteil
von Urlaub und mit 8 Auftritten innerhalb von 12 Tagen recht überfrachtet,
andererseits war gerade das Musikspielen und der Kontakt zu
Einheimischen recht interessant. Die Musik, die Lieder und
die Freundlichkeit der Menschen dort ist eine Wucht, eine Urgewalt,
stark und schön, von einer bei uns längst verlorengegangenen
Vielfalt und Idendität. Ich bin mir der Klischeehaftigkeit
unserer Eindrücke natürlich bewußt, daß wir
nicht einmal 99.999 % dessen gesehen haben, was dort Lebenswirklichkeit
ist. Aber trotz Aids, Armut und dem gewaltigen Auseinanderklaffen
der sozialen Schere dort (Kapstadt ist Zentrale von Schönheitsoperationen
und erbärmlichster Slums), wenn man die Menschen dort
erlebt, kann man bloß zum Optimisten werden.
PS: In Kapstadt hab ich beim Auftritt eine Familie Silbernagl
getroffen. Der Großvater war Bürgermeister in meinem
Dorf , in Zankenhausen. Er wurde unter den Nazis abgesetzt,
weil er nicht in die Partei eintreten wollte. Einer seiner
Söhne wanderte nach Südafrika aus, wurde dort aber
von den Engländern als Deutscher und damit Nazi sofort
für 6 Jahre interniert. Im Internierungslager hat er eine
Musikkapelle aufgezogen. Seine Söhne haben wir getroffen.
Wir sehen uns in Zankenhausen! Donnerstag
Abend um 19 Uhr Ankunft in München: Sauschee
is dahoam!
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