Tagebuch Südafrika / Namibia von Hans Well
Donnerstag der 29.3.2007
Abflug über Paris nach Johannesburg mit schlechtem Gewissen. Die Klimabilanz des Fluges ist verheerend.... ! Ich beschließe, mir dieses Jahr eine Photovoltaikanlage zum Ausgleich abzuwürgen . Ankunft in Johannesburg am Freitag den 30.3. um ca. 10 Uhr, keine Zeitverschiebung. Wir haben 21 Musikinstrumente dabei. Eine logistische Herausforderung bezüglich des Transports zum Goetheinstitut.
Der „ lokal Goethe“ Nikolai Petersen holt uns mit einem Bus ab. Er ist ein Nachfahre der Auer Brauerei Rosenheim. Das schafft Vertrauen!!! Auf der Fahrt ins Goetheinstitut fällt uns ein Sendebaum ins Auge, ein Sendemast, der als Baum verkleidet ist. Wir fotografieren auf unserer Reise mindestens 20 davon. Herr Petersen erzählt uns profund über die Verhältnisse nach der Apartheid hierzulande.
Schnell sehen wir einige Probleme Südafrikas : Kriminalität und als Folge der Geschichte nach wie vor völlig getrennt lebende Parallelgesellschaften. Die Weißen wohnen in eigenen Stadtteilen, die Farbigen genauso und die Schwarzen auch . Auf den Mauern um unser Hotelhäuschen steht am Elektrozaun: armed response! Na Prost ! Wir testen Windhoeker Lager, das Bier einer deutschen Brauerei aus Namibia. Schmeckt verdächtig nach Paulaner.... Am Abend sind wir eingeladen bei der Familie Petersen zum Abendessen. Was gibt’s? Weißwürschte aus Pretoria. Öha ! Es ist lange nach 12 Uhr Mittag und die Weißwurscht ist mindestens 5 cm länger als erlaubt - trotzdem nicht schlecht. Wir treffen dort außer vielen Deutschen auch den Leiter einer Gumboot – Truppe, mit der wir am nächsten Abend im Goetheinstitut einen Auftritt bestreiten wollen. Er kommt aus Heidelberg ( Südafrika) und ist ein verdammt guter Fußballspieler. Beim Match gegen ihn und ein paar andere Kinder verliert Bayern seinen Nimbus und völlig unverdienterweise ca. 10 : 2 ! Ein schlechtes Omen für 2010....!
Sendebäume
Samstag der 31. 3. Mamelodi
Wir brechen nach einem guten Frühstück auf in einen schwarzen Township namens Mamelodi zu einem Workshop mit dortigen Musikgruppen. Ankunft in einer Kulturhalle, in der schon viele Kinder, Jugendliche, Erwachsene und einige Musiker auf uns warten. Geleitet wird das Kulturzentrum von Junior Makwele, einer eindrucksvollen Respektsperson . Vier Musiker spielen zur Begrüßung ein paar Stücke im Dollar Brand- Sound .Gute Jazzmusik mit Trompete, Saxophon, Schlagzeug und einer Art Hammondorgel. Wir kontern mit Alphorn, Steirischer, Hackbrett, Drehleier und zeigen verschiedene Instrumente, die man hier nicht kennt.
Danach singt eine Gruppe von Schwarzen. Wir verstehen den Zuludialekt zwar nicht, aber bei der unglaublichen Ausdruckskraft dieser Stimmen läuft es einem kalt den Buckl runter. Musik ist hierzulande mit einer Bewegung verbunden , die unsereins wie Eiszapfen ausschauen lässt. Wir kontern zur großen Belustigung der Einheimischen mit einem Schuhplattler. Anschließend lernt der Michal, einen „ Boarischen „ mit allen Anwesenden ein. Danach bringen sie uns einen afrikanischen Tanz bei. We really tried our very best.....!
Am Bühnenhintergrund des schlichten Beton- Kulturhalle ist mit Graffitis eindringlich auf ein anderes Hauptproblem Afrikas hingewiesen, von dem auch das Melodram einer Theatergruppe handelt, die als nächstes auftritt: Aids! Sehr viele Menschen auch in diesem Stadtteil sind davon betroffen, auch viele Kinder. Eindringlich fordern die Graffiti auf, Kondome zu benutzen. Das Singspiel einer Theatergruppe, das auf englisch vorgeführt wird und Aids thematisiert, geht einem schon sehr an die Nieren. Nachdem wir ca. 2 Stunden miteinender musiziert haben und die Leute von Mamelodi Klapptanz, Woaf, Woidhansl und Boarischen wesentlich überzeugender und lebendiger drauf haben als die meisten bayrischen Trachtler, verabschieden wir uns nach einem Fußballspiel ( das Ergebnis verschweigen wir lieber) und gemeinsamen Essen mit dem gegenseitigen Wunsch, uns hier oder bei uns wiederzusehen. Wir haben auch ein paar Wörter auf Zulu gelernt: , Ahe- Griaß di, siobonga- Danke! Uselimi- du Volldepp!
Abends lernen wir noch den berühmtem Fotografen und Appartheidschronisten Schadeberg und seine Frau sowie den wunderbaren Denis Goldberg kennen, einen weißen ANC Aktivisten, der zur Begrüßung Berthold Brecht zitiert. Für seine Überzeugung, dass Apartheid menschenverachtender Rassismus ist, saß er 22 Jahre lang im Gefängnis. Er wird uns morgen durch das Apartheidmuseum führen. !

Sonntag der 1. April
10 Uhr: Führung durch das Apartheidmuseum mit Denis Goldberg. Allein das macht die Afrika - Reise schon zu einem Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Denis Goldberg ist der Sohn jüdischer Eltern und wurde vor 75 Jahren in Kapstadt geboren. Er war als weißer Apartheidgegner bei der Apartheidregierung besonders verhasst. Im Museum zeigt uns der Kampfgefährte Mandelas die Ausstellung. Es fällt ihm sichtlich schwer, z.b. vor der Nachbildung einer Zelle zu stehen, in der er einige Jahre Isolationshaft verbrachte, unter der Nachbildung der Galgen, auf denen im Raum über seiner Einzelzelle Menschen gehängt wurden. Trotz alledem ist Denis ein erstaunlich humorvoller Mensch. Obwohl ihm die schönsten Jahre seines Lebens von dieser Politik geraubt wurden, unterstützt er die Versöhnungskommission. 17 Uhr 30 beginnt im Goetheinstitut der Auftritt der Gumboot Gruppe aus Heidelberg (S.Afrika). Viele Weiße, hauptsächlich Deutsche sind im GI ( Joburg ist Produktionsstätte von Mercedes Siemens usw.)! Gumboot- , also Gummistiefeltänze sind so was wie Schuhplattler, die sich in den zahllosen Goldminen Johannesburgs als Verständigungsmethode der schwarzen Arbeiter entwickelt haben, weil sie dort nicht reden durften. Dabei schlagen sich die Tänzer auf die Stiefel, und erzeugen damit ein klatschendes rhythmisches Geräusch. Gumboot- Tänze sind eine echt fetzige Sache und haben eine frappierende Ähnlichkeit mit einem Schuhplattler, bloß ein bisschen rhythmischer und meistens mit Gesang. Die Gruppe ist saugut!!!
Bei unserem Auftritt rede ich anfangs noch englisch, irgendwann geb ich’s auf. Die Leute verstehn uns auch so oder gar nicht. Ich verweise auf die Ähnlichkeiten Afrikas zu Deutschland: Hier armed response - bei uns Beckstein, hier hohe Kriminalität - bei uns Siemens! Ich teste ein für diese Reise getextetes Lied auf Englisch: Please be nice to the Germans! Kann den Text nicht ganz auswendig und muß ablesen, aber es kommt ganz gut rüber und die nicht Deutschen freuen sich. Zum Schluß des Programms spielen wir mit unseren mitgereisten Kindern – Maria, Mathias, Maresa, Sarah, Tabea und Jonas- zusammen zwei Stücke. Anschließend wird mit den Gumbootlern in der Garderobe Gumboot Dance gelernt, dass es bloß so kracht...! Wir sollten einmal was zusammen mit denen in Bayern machen!

Please be nice to the germans

Please be nice to the germans- don’t call us Krauts, it`s really very mean
We are really very sensitive people- since the last war we don’t march we dribble
And above all we are very very clean
Is it our fault that we are the world best- better football players than the worlds rest
when world championship 2010 here does really begin- you will see who the tropy will win
But don’t oil in the fire pore- don’t mention quarter final Italy –Germany 2:0 any more

Please don’t be so beastly to the germans, we are going correct our way
That we are stern is only a bad rumour- you could learn a lot from german humour
Statisticly proved we laugh three times a day
May be for some Afrikans german jokes are not witty- if they come by mistake into an east german city
but coulored people shouldn’t touch east german no go area meridians- some germans are radical comedians
so please don’t at us fun poke- german humour is really no joke

Please be nice to the germans, we were never bad colonialists in Afrika
Namibia we did only support- but our time there was too short
so we sent Heino later to this native resort
Schwarzbraun ist die Haselnuß.....
we germans were allways on the right side- helped mightfully against the apartheid
Honnecker helped you for revolution-Mercedes for Botho`s final solution
So please give the germans your thank- not to Honnecker! but to Mercedes and the german bank

Schluß in Namibia:
Heino to this native resort…….
The SWAPO party can learn a lot from bavarian government- how to get majority of 60 Prozent
So study the bavarian democracy way- listen, what Erwin Huber and Beckstein say
And you reach for ever absolut majority - so good luck and happy democracy!!!

Montag, der 2. April
Freier Tag, wir fahren zum Pilanesberg und schauen Viecher an. Auf dem Rückweg werden wir durch Sun City gefahren, ein absurdes Golfplatz - Las Vegas eines amerikanischen Investors mit Wasserfällen und Superhotels mitten im regenarmen Gebiet, in dem der wertvolle Rohstoff Wasser hirnlos verdampft wird. Ganz schön pervers!!!
Dienstag,der 3. April: Soweto
Wir fahren vormittags zu dem Platz, an dem bei einem Sternprotestmarsch von Schülern vor ca. 20 Jahren der Schüler Hector Pieterson von der Polizei erschossen wurde. Heute eine Gedenkstätte. Zudem besuchen wir das Haus von Nelson Mandela. Soweto ist der einzige Stadtteil der Welt, in dem 2 Nobelpreisträger in eine Strasse gewohnt haben. Soweto scheint sozial sehr intakt zu sein, es gibt dort auch kaum Kriminalität. Wir treffen einen Kulturinitiator, der dort Theater mit jungen Leuten macht. Leider ist die Zeit zu kurz, denn der Flug nach Namibia mit allem, was dazu gehört, droht: Einladen und verstauen von Instrumenten, Zoll. !
3. April 16 Uhr : Namibia, Windhoek
Am dortigen Zoll langer Aufenthalt. Spielen Sie wirklich alle diese Instrumente? Die Zollbeamtinnen sind skeptisch, glauben uns nicht. Wir schlagen vor, auszupacken und vorzuspielen. Entsetzen, Panik in den Gesichtern ! Wir können gehen. Die Methode müssen wir uns merken! Mit dem Bus werden wir zum „ Safarihotel „ gefahren, einem Hotelkomplex sozialistischer Architektur. Und – vor allem - direkt neben dem Windhoeker Stadtflughafen gelegen. Safari zum lustigen Dezibel. Wir sind abends vom Goethe Zentrum Namibia eingeladen in Joes Biergarten. Eine Einladung mit doppeltem Boden. Wir realisieren, dass lokal Goethe Windhoek Frau Schulte die Einladung auf Essen und Trinken im Biergarten nur ideell versteht! Die bayrischen Traditionen bezüglich der Behandlung von Musikanten sind dort nicht bekannt! Mit 3 Windhoek Lager in die Safari- Falle. Morgens um 6 Uhr startet direkt neben meinem Ohr so was wie ein Jumbo. Ich bin in Namibia!
Mittwoch der 4. April: Windhoek – Katutura
Am Vormittag spielen wir in einem Kulturhaus in Kattutura, einem Stadtteil, in dem bis vor 14 Jahren die Schwarzen nach der Arbeit wohnten. In der Stadt Windhoek zu wohnen war ihnen verboten. Früher Schwarzenviertel- heute genauso! Die gleiche Parallelgesellschaften wie in Südafrika! Statt einer Stunde spielen wir zusammen ca. 2 ½ . Wir singen und tanzen wie auf einem Tanzfloor Brettl bei uns daheim in Hausn beim Eder. Unsere Kinder sind vom Tanzen her schon Afrikaner geworden!
Danach laden wir ein paar Leute der Kulturgruppe in eine Boazn um die Ecke ein. Eine Frau, eine Herero hat in Ost-Berlin studiert. Ihr Großvater war Deutscher. Unsere Vorfahren haben dort Geschichte gemacht. Ca.70000 Hereros wurden nach einem Aufstand in die Wüste getrieben und von Wasserlöchern so lange ferngehalten bis die meisten verdursteten. Lettow Vorbeck und Trotha, die die Gräuel verübt haben, sind in Deutschland noch immer auf Straßennamen geehrt. !
Am Abend um 8 Uhr Auftritt im Warehouse:
Knackvoll! Manche Namibia-Bayern sind zum Teil bis 600 km weit für diesen Abend gefahren. Wir sind unter Weißen! Das Publikum besteht überwiegend aus wilhelminische Preißn! .Von der Atmosphäre her ein Auftritt wie früherszeiten im Muh in München. Unser Bruder Karli, der mit dem Motorrad 3 Monate lang unterwegs war von Gallenbach / Aichach durch ganz Afrika mischt uns die Anlage. Als ich das Lied “Werden Sie doch einfach reich“ ansage mit dem Vorsatz: Und nun ein Tip, wie die schwarze Bevölkerung Afrikas sich aus seiner Armut befreien kann ruft eine Frau dazwischen: „Arbeiten!“ Na ja, die einzigen Menschen, die wir hier arbeiten sehen sind Schwarze. Aber der Auftritt ist trotzdem eine Gaudi. Der Mann von der Hanns Seidl Stiftung besteht danach auf den Text, den ich als CSU Mann hier den „Negern“ zur Erklärung der bavarian Democracy (frei nach G. Polt) vordoziert habe. Nach dem Auftritt hab ich Hunger und Durscht! Das Goethe Institut ist außerstande, mir zu helfen. Eine fürwahr trockene Baustelle. Morgens um 6 Uhr wieder der Jumbo. !
Donnerstag der 5.April-Swakopmund
Nach ca. 4 Stunden Geradeausfahrt durch Busch, Steppe und Wüste sehen wir vor uns eine Nebelwand. Swakopmund am Atlantik! Das Sylt Namibias. Sanddünen, blonde Menschinnen, Preußen! Amtsgericht, Stadtmitte, deutsche Straßennamen wie in Windhoek aber noch extremer. Die Tiger-reefbar, wo unser Auftritt stattfinden soll ist vollkommen überfüllt. Die Bühnensituation problematisch. Hinter uns das Rauschen der nur ca. 40 m entfernten Meeresbrandung, um uns herum ca. 300 Menschen, die teilweise hinter uns sitzen. 1 Mikrofon! Die Instrumente sind vom Meer ganz klamm und feucht, verstimmen sich grausig. Zuerst kommen eine Marimbagruppe und ein schwarzer Chor- angeführt von einer älteren Weißen. Das beste Publikum bei unserem anschließenden Auftritt sind wie meist die Schwarzen Musiker und das (selbstverständlich schwarze) Grillpersonal. Goethe unterstützt den Auftritt wieder vor allem ideell! Kein Bier, kein Wasser!
Freitag der 6. April
Heute haben wir einmal frei. Wir machen eine Tour mit dem Katamaran aufs Meer zusammen mit Robben, die aufs Boot kommen zum Frühstück und uns unseren Fisch wegfressen. Ein Mondfisch, genannt Mola Mola wird im Wasser gesichtet. Sonst sehen wir vor allem die rießigen Fangflotten von russischen und spanischen Schiffen, die als Entgeld für frühere Waffenlieferungen an die SWAPO jetzt mit riesigen Schleppnetzen die Küste des am fischreichen Belugastrom gelegenen Namibias abfischen dürfen. Die Verarbeitung in Konserven, alles geschieht an Bord, für die Namibier bleibt nichts außer den ausgedienten verrosteten Schiffswracks, welche die Russen einfach an der Küste zurücklassen.
Samstag der 7. April
Durch die Namibwüste und eine spektakuläre Mondlandschaft geht’s auf einer Staubstraße 7 Std. lang zum Flughafen. Wir rasten auf einer von einem Kassler geführten Farm. Er hat 150 qm Photovoltaikzellen auf dem Dach und eine kleine Halle voller Batterien zur Stromspeicherung. Allmählich kommen Solar und Windenergie (Windhoek heißt Windeck), sagt er mir. Allerdings sehr langsam, denn die billig importierte Energie aus Südafrikanischen Kohlekraftwerken behindert das Entstehen regenerierbarer Energien, die dort beste Vorraussetzungen hätten.
Ankunft Kapstadt Samstag abend um 9 Uhr. Wir fahren zur Villa Mediterrenean, unserem Heim. Diese Villa, sehr schön gelegen und gebaut gehört den deutschen Bischöfen. Wenn die wüssten, wer da in ihren Bettchen schläft... .!! Nicht schlecht, wie die dort leben und für uns nach dem Safari Startbahn-Hotel Windhoek eine Erholung.
Sonntag der 8. April
Ostersonntag. Wir sollen in einem schwarzen Township namens Gugulethu in der Kirche spielen, d. h. vor allem unsere Kinder.
Als wir ankommen steht Polizei da. Unsere Musikinstrumente werden untersucht und geröntgt. Wir dürfen passieren und in die Kirche rein. Ein Polizist kommt und erklärt uns, dass sie alles durchsuchen müssen, weil die Vizepräsidentin Südafrikas an dem Gottesdienst teilnehmen will. Die Kirche füllt sich. Ca. 500 Leute. Alle singen und tanzen immer wieder durch die Kirche. Der Chor singt, dass es eine Freude ist, die Marimbaspieler klöpfeln, die Vizepräsidentin kommt - die Messe beginnt. Unsere Kinder spielen einige Stücke, der Stofferl spielt bei den Marimbaspielern mit, wir blasen in die Alphörner, es ist ein unglaubliches Spektakel und der schönste, lebendigste Gottesdienst den ich je erlebt hab. Anschließend gehen wir durch den Township. Armut rundrum. Die Chorleiterin erzählt uns vom Widerstand gegen die Apartheid, der auch von der Kirche hier mitgetragen wurde. Der frühere Pfarrer, ein Ire, wurde mehrmals deportiert. Im Gemeinschaftsraum sehe ich – es haut mich schier aus den Socken- Fotos eines mir wohlbekannten Schwarzen: Edmund Stoiber samt Karin war auch schon da! Die Leute - hingewiesen darauf, dass hier einer der größten Häuptlinge des Schwarzen Bayerns, einer der größten Redner Europas hängt, erklären, nicht zu wissen, wer Stoiber ist. Des sogn ma eahm!!!!
Um 4 Uhr nachmittags ein Auftritt im Paulanerbräuhaus an der Waterfront
Ich hab Paulanerbier noch nie gemocht! Dieser Auftrittsort- man muß es leider sagen-, war noch schlechter als das Bier. Kellnerinnen, die durchliefen, eine Theke im Hintergrund, keine Bühne, keine Mikrofone! Ach Goethe! Wir sollen im Ernstfall Frau Wurster anrufen. Frau Wurster, stellt sich heraus, ist im Urlaub. Der Wirt ist irritiert, als wir ihm sagen, dass wir keine Blasmusik sind, sondern Texte singen, die verstanden werden wollen. Wir ziehen ca. 45 Min. durch. Bartl Grill, langjährigen Afrikakorrespondenten der „Zeit“ und guter Bekannter aus früheren Tagen erlöst uns und bringt uns anschließend wenigstens was zum Trinken. Er erzählt uns, dass draußen eine Marimbagruppe Straßenmusik macht und wir doch lieber draußen spielen sollten. Das machen wir. Die Marimba-Spieler lassen uns 10 Min. allein spielen. Es sammeln sich ca. 200 Leute. Anschließend spielen wir mit den Musikern zusammen. Nach dem Paulaner eine Reha!
Montag  der 9. 4.
Ich mach mit meinen Kindern einen Workshop in Kyalitsha, (einem Township nahe Kapstadt) mit einem Orchester, das im Rahmen eines Out-reach Programms gebildet worden ist. Man versucht mit dieser Initiative, Kindern in Slums das Erlernen eines Musikinstrumentes zu ermöglichen. Es gibt 4 Celli, (allein 30 Kinder und Jugendliche wollen Cello lernen) 2 Bratschen und ca. 8 Geigen. Mehr Instrumente, erklärt uns der indischstämmige Dirigent und Geigenlehrer, haben sie einfach nicht. Sarah und Tabea spielen mit bei einem Orchesterstück mit. Anschließend führen uns eine Flöten, Tanz und Bläsergruppe ein paar Stücke vor. In der Blechhalle sind ca. 100 Erwachsene versammelt, die zuschauen, Eltern, Geschwister, Neugierige . Nachdem unsere Kinder in der Tanzgruppe mitgemacht haben zeigen wir ihnen den Klapptanz und den Siebenschritt. Alle tanzen gleich mit viel Gaudi mit. Sarah, Tabea und Jonas spielen jeweils ein Stück vor. Die Kinder schließen schnell Freundschaft. Ein schöner, anstrengender Vormittag. Danach wird im Atlantik Basket (griechisches Fischlokal) eine Fischplatte verputzt. Die Kellner staunen! Da bleibt nix aufm Teller!
Dienstag der 10. 4.
Freier Tag !!! Kap der guten Hoffnung- baden im ca. 8 Grad kalten Meer- Norbert, ein Weltenbummler, der lange in Marrakesch gelebt hat und nun in Kapstadt gelandet ist, führt uns zu den Sehenswürdigkeiten. Er unterstützt das out reach Programme und andere kulturelle Aktivitäten in Kapstadt. Schön, ihn, kennengelernt zu haben. Er unterscheidet sich wohltuend von zahlreichen anderen Deutschen, die ihren Rassismus offen und unaufgefordert äußern.
Sätze wie z.b. „Ich gehe jetzt nach Australien, da ists genauso schön wie hier aber ohne Neger! Die arbeiten alle nix und haben so lange Finger“ sind an der Tagesordnung . Sätze von sogenannten „normalen“ Menschen, die sich selber aber niemals als Rassisten sehen würden.
Mittwoch der 11.4
Am letzten Tag bis 3 Uhr frei. Wir kaufen Biltong, getrocknetes Fleisch ein. Meine Kinder lieben es. Wir sollen am Abend am Marinestützpunkt ....... ein lockeres Treffen mit einem Marinechor spielen. Maresa (Tochter Stofferls) ist um 3 Uhr noch nicht da . Sie lässt sich „Braids“ flechten. Wir holen sie aus dem Friseursaloon. Die Frisur passt super zum Diandl. .......
Marinestützpunkt SimonsTown
Wir treffen uns mit einem Chor schwarzer Sänger zu einem Workshop. Ein schönes Theater.
Der Chor singt, daß es bloß so donnert. Jeder der Gruppe führt einen kleinen Tanz auf. Stofferl kreiert einen Schuhplattler – Samba und wird dafür gefeiert. Anschließend spielen wir noch eine halbe Stunde. Wir haben jetzt allmählich Routine bei solchen Auftritten, also ist es Zeit, heimzufahren. Der Marineadmiral ist ein sehr lustiger und guter Typ. Er macht mit der Förderung schwarzer Jugendlicher im Marinechor so eine Art Sozialarbeit. Kommt selbst aus sehr armen Verhältnissen, war während der Apartheid - wie er sagt - auf der falschen Seite. Erzählt mir von einem Besuch in einem Kloster in Bayern, das über einem See liegt und wo es sehr starkes dunkles Bier gab, holy beer! Yes, it`s Andechs! Ich frag ihn zur Ammerseedampferflotte - hat er glatt übersehen!
Er erklärt sich bereit, den Transport von Musikinstrumenten mit der Marine von Bremen aus zu übernehmen ! (Die Blasinstrumente für die Navy Band und die Streichinstrumente für das Out-reach program Kyalitsha, die wir sammeln wollen)
Peter Heller, der Chef des Filmteams des WDR, lädt uns abschließend zum Essen ein. Der hat Anstand der Mo! (im Gegensatz zu manchem lokal Goethe).
12. April
Rückflug am Donnerstagmorgens um 7 Uhr
Aufstehen um 4 Uhr. Am Flughafen Ärger mit einer Frau Müller von LTU. Die ist dermaßen unfreundlich, lässt uns die alte Tuba nicht an Bord nehmen. Die muß ins Sperrgepäck....., welcome in Deutschland!
LTU hat 3 Tickets zu wenig ausgestellt. Der Computer von LTU spinnt. LTU auch! Und die Frau Müller ist weiterhin granatenmäßig unfreundlich! Mit denen flieg ich nicht mehr! Überhaupts flieg ich nicht mehr, das nächste mal fahr ich mit dem Zug nach Afrika! Scheiß Fliegerei!
Während des Fluges lese ich das Buch von Bartholomäus Grill „Ach Afrika“. Hätte ich doch dieses wunderbare Buch bloß vorher gelesen...! Die Bücher von dem kürzlich verstorbenen Reiseschriftsteller Kapuscinski werde ich mir alle kaufen. Die Reise war zwar das Gegenteil von Urlaub und mit 8 Auftritten innerhalb von 12 Tagen recht überfrachtet, andererseits war gerade das Musikspielen und der Kontakt zu Einheimischen recht interessant. Die Musik, die Lieder und die Freundlichkeit der Menschen dort ist eine Wucht, eine Urgewalt, stark und schön, von einer bei uns längst verlorengegangenen Vielfalt und Idendität. Ich bin mir der Klischeehaftigkeit unserer Eindrücke natürlich bewußt, daß wir nicht einmal 99.999 % dessen gesehen haben, was dort Lebenswirklichkeit ist. Aber trotz Aids, Armut und dem gewaltigen Auseinanderklaffen der sozialen Schere dort (Kapstadt ist Zentrale von Schönheitsoperationen und erbärmlichster Slums), wenn man die Menschen dort erlebt, kann man bloß zum Optimisten werden.
PS: In Kapstadt hab ich beim Auftritt eine Familie Silbernagl getroffen. Der Großvater war Bürgermeister in meinem Dorf , in Zankenhausen. Er wurde unter den Nazis abgesetzt, weil er nicht in die Partei eintreten wollte. Einer seiner Söhne wanderte nach Südafrika aus, wurde dort aber von den Engländern als Deutscher und damit Nazi sofort für 6 Jahre interniert. Im Internierungslager hat er eine Musikkapelle aufgezogen. Seine Söhne haben wir getroffen. Wir sehen uns in Zankenhausen!

Donnerstag Abend um 19 Uhr Ankunft in München: Sauschee is dahoam!

Biermösl Blosn