Lion Feuchtwangers "Erfolg"

Seit Mai 2000 (Premiere an den Münchner Kammerspielen) Auftritte mit der Biermösl Blosn: Eine Lesung aus Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg". Aus über 800 Seiten haben Hans Well und Jörg Hube 35 Seiten für einen Lese- und Musizierabend zusammengestellt. Der Münchner Schriftsteller Lion Feuchtwanger (1884 bis 1958) mußte vor den Nazis nach Amerika fliehen. Er hat mit "Erfolg" ein Bayernportrait geschaffen, welches auch heute noch seine aktuelle Gültigkeit hat.

"Zusammen mit den Gstanzln der Biermösl Blosn, die die bayerische Welt ja auch treffsicherst in Versen und Tönen karikieren, und dem wundersam sanft hinterkünftigen Vortrag Jörg Hubes leuchtete also ein unglaublich heutiges Bayern-Panorama auf." (Münchner Merkur)

"Lion Feuchtwangers "Erfolg" (1930) war gedacht als Rechenschaftsbericht für die "Spätergeborenen" und  Warnung vor der "Herrschaft der Gewalt und des Widersinns", appellierend an die Vernunft - mit geradezu bestürzender Prognose zum "Un-Wesen" des heraufziehenden Faschismus. Siebzig Jahre danach "verknüpft sich der 'Erfolg' zusammen mit den Texten der Biermösl Blosn absolut unaufdringlich zu einem bayerischen Sittengemälde der Gegenwart.(...) Der Schoß ist fruchtbar noch, nicht nur in Bayern mit seiner herzigen Weltstadt München."(AZ,18.11.99)

"Die Bayern knurrten, sie wollten nicht in die Ferne schauen, und was lag ihnen an einem sinnvolleren Europa. Sie wollten leben wie bisher, breit, laut, in ihrem schönen Land, mit einem bißchen Kunst, einem bißchen Musik, mit Fleisch und Bier und Weibern und oft ein Fest und am Sonntag eine Rauferei. Sie waren zufrieden, wie es war. Die Zugereisten sollten sie in Ruhe lassen, die Schlawiner, die Saupreußen, die Affen, die geselchten.“ - (aus "Erfolg").

Die Erfolgslesung von Jörg Hube und der Biermösl Blosn ist auch als Doppel - Cd erhältlich:

Der Audio Verlag, Dav März 2001

ISBN: 3898131327

Infos über Lion Feuchtwanger (interne u. externe Links)

feuchtw.jpg (3882 Byte)

Biographie (extern)

Bibliographie (intern)

Der gelbe Fleck (extern)

Erfolg (extern - Deutsches Historisches Museum Berlin)

Ein gescannter Zeitungsbericht aus dem Münchner Merkur vom 3.4.01 zur Vorstellung in Haar am 01.04.01:

erfolgber.jpg (220 KB) Claudia Ertl

Weitere Pressestimmen

Engagement für weltoffenes, aufgeklärtes Bayern und gegen Amigoismus und Stumpfsinn ausgezeichnet

Wilhelm Hoegner-Preis 2000 geht an Jörg Hube und die Biermösl Blosn / Verleihung am Dienstag, 17. Oktober, im Maximilianeum
Der diesjährige "Wilhelm-Hoegner-Preis" geht an den Schauspielger Jörg Hube und die Biermösl-Blosn. Sie erhalten die Auszeichnung der SPD-Landtags-fraktion "für ihr Engagement für ein aufgeklärtes, weltoffenes Bayern und gegen den weithin grassie-renden Amigoismus". Dies beschloß das Preis-Kuratorium auf Vorschlag des SPD-Fraktions-vorsitzenden Franz Maget.

Die Preisverleihung findet am Dienstag, den 17. Oktober, um 10.30 Uhr im Senatssaal des Bayerischen Landtags statt. Die Laudatio auf die Preisträger hält Herbert Riehl-Heyse, Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung.

Dem Kuratorium des Wilhelm Hoegner-Preises gehören neben dem SPD-Fraktionsvorsitzen-den der Kabarettist Dieter Hildebrandt und die Kulturpolitiker Dr. Hermann Glaser und Dr. Diemut Schnetz sowie Harald Hoegner an.

Zur Begründung für die Ehrung erklärt Franz Maget: "Jörg Hube und die Brüder Christoph, Hans und Michael Well von der Biermösl Blosn verkörpern und engagieren sich als Schauspieler bzw. Musikanten auf einmalige Weise für ein aufgeklärtes, weltoffenes Bayern. Insbesondere die Lesung und musikalische Umrahmung von Lion Feuchtwangers Roman ‚Erfolg‘ in den Münchner Kammerspielen ist nicht nur ein Highlight des Münchner Kulturangebots, sondern ein nachhaltig aktueller Beitrag gegen den nach wie vor vielerorts beklemmend wirksamen politischen Stumpfsinn und auf der oberbayerischen Schotterebene weithin grassierenden Amigoismus."

Der Preis ist mit 5 000 Mark dotiert. Die Auszeichnung wurde 1987 aus Anlass des 100. Geburtstages des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner vom damaligen SPD-Fraktionschef Karl-Heinz Hiersemann ins Leben gerufen und seit 1988 an Persönlichkeiten vergeben, die sich in besonderer Weise um den Erhalt und die Sicherung der Freiheits- und Bürgerrechte im Sinne Wilhelm Hoegners verdient gemacht haben.

Unter den bisherigen Preisträgern waren unter anderem Ernst Müller-Meiningen jr., Wilhelm Ebert, Ernst-Maria Lang, "Ponkie", Heinrich Albertz, Regine Hildebrandt, Dr. Hildegard Hamm-Brücher, Dr. Hans-Jochen Vogel und Carl Amery. Preisträger 1998 war der langjährige tz-Chefredakteur Hans Riehl. Im vergangenen Jahr wurde der Hoegner-Preis an den ehemaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk verliehen.


Stuttgarter Zeitung, 18.10.2000
Die SPD wärmt sich auf der Ofenbank

Der Schauspieler Jörg Hube und das Trio Biermösl-Blosn haben gestern den Wilhelm-Hoegner-Preis der bayerischen SPD erhalten. Die Künstler hätten sich in einmaliger Weise für ein weltoffenes Bayern engagiert, sagte der SPD-Fraktionschef Franz Maget in München.
Na, dann fangen wir dann doch an, wenn alle da sind im Münchner Maximilianeum: "de Gscheitn und de Gspinnertn, de Bayern und de Sechzger, de Eiskoitn und de Brinnertn'', wie die preistragende Biermösl-Blosn singt - na fang ma o. Nun, höchstwahrscheinlich sind mehr Sechzger da und weniger Eiskalte, als die bayerische SPD-Landtagsfraktion darangeht, den Wilhelm-Hoegner-Preis in diesem Jahr an den Schauspieler Jörg Hube und die - ja, was jetzt, Sänger, Musiker, Kabarettisten?: alles zusammen wohl - drei Brüder Well, also die Biermösl-Blosn, zu vergeben.
Der Saal ist voll, die Stimmung gut, wohl dem, der jetzt zu würdigen hat, wieso und warum hier Ehre und 5000 Mark vergeben werden. Sie gehen im Übrigen über die Preisträger an die Flüchtlingshilfe refugio und den Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft. Der neue SPD-Fraktionschef Franz Maget macht in diesem Rahmen das einzig Richtige. Grundjovial nennt er die Namen einiger bisheriger Preisträger (darunter Carl Amery und Ernst-Maria Lang), grüßt freundlich die Vorgängerin Renate Schmidt und erzählt am Rande, was es alles mit Wilhelm Hoegner auf sich hatte: Reichstagsabgeordneter, in letzter Sekunde vor Hitler über den Karwendel geflohen, Jurist von Hause aus, später zweimal Ministerpräsident, Innenminister und auch noch Fraktionsvorsitzender in Bayern. Hoegner sei ein guter Name, meint später Hans Well, und es ist dem nichts hinzuzufügen.
Was man jetzt über Jörg Hube und die Biermösl-Blosn noch sagen kann, spricht der Journalist und Laudator Herbert Riehl-Heyse aus, ein wenig haspelig zwar, aber immer schön - pitsch, patsch - mit der florettartig eingesetzten, kritischen Bayernland-Klatsche am Werk. So bekommt ein jeder was ab: die bayerischen Sozialdemokraten ("sie haben solch wärmende Momente ja besonders nötig''), die vorherrschende CSU-Landespolitik als solche ("morgens hilft man dem Siemens-Vorstand, schnell an computersachverständige Inder heranzukommen, abends tobt man in Bierzelten gegen einen kleinkriminellen türkischen Jungen'') und schließlich der Bayer schlechthin, der sich nicht wahnsinnig wandelt im Laufe der Zeiten: Er will "seine Ruh''. Sagt Riehl-Heyse. Aber natürlich ist er zu schlau, um nur die üblichen Verdächtigen (Mooshammer, Streibl, Beckstein) hochzunehmen. In Wahrheit spricht Riehl-Heyse die ganze Zeit vor (und von) einem Hintergrund. Es handelt sich um einen Roman. Der Hoegner-Preis ist nämlich auch an die Ausgezeichneten gegangen, weil sie in den Kammerspielen schon oft eine Vorstellung gegeben haben, die an Lion Feuchtwangers Buch "Erfolg'' erinnert. Feuchtwanger musste aus München ins Exil gehen, was nach dem Krieg hier am liebsten vergessen worden wäre.
Riehl-Heyse ist überzeugt davon, dass Feuchtwanger sich gar nicht groß umgucken würde, käme er aus dem Jenseits heuer nach München zurück, denn eben zum Beispiel der Herr Beckstein denkt ja eigentlich nicht so viel anders als der Politiker Klenk im Roman: Klenk will das Land sauber halten, wie ein Tierarzt, sagt er. Und Beckstein? Denke schon einmal öffentlich darüber nach, sagt Riehl-Heyse, "wie viel Serben wir - weil sie ja jetzt nicht mehr verfolgt sind - ganz bald aus dem Land werfen können''. Das sitzt.
Es wird dann noch ziemlich nachdenklich reihum, als Jörg Hube aus Feuchtwangers Buch liest, und es geht noch einigermaßen deftig zu, als die Brüder Well Alleraktuelles mal eben so gekonnt vor sich hinimprovisieren: Von "Judas'' und "Dreckschwein'' ist da die Rede - und: "Aus der Staatskanzlei tönt's immer lauter: Heute schlachtn mir den Sauter!'' Ja, an so etwas hält man sich gerne, wenn landespolitisch nur eine eher bescheidene Ofenbank unterhalten werden kann.
Das Hoegner-Preis-Plenum rückt zusammen. "Ja, mir san mir und schreibn uns uns'' heißt es im Lied. Es ist ironisch gemeint. Bei den Roten nickt man sich zu und applaudiert heftig. Vielleicht hat die Bayern-SPD nicht die erwünschte Konjunktur. Ordentlich Temperatur hat sie. Jedenfalls in diesem Moment.

Mirko Weber, München


MZ vom 18.10
Oppositionspreis für vier Bayern-Kritische

SPD ehrt Schauspieler Hube und "Biermösl Blosn"

Von Michael Langer, MZ
MÜNCHEN. So lustig und musikalisch-deftig wie gestern Mittag geht´s im Landtag selten zu. Das ließ sich die "Biermösl Blosn" nicht nehmen und präsentierte zur Verleihung des höchsten bayerischen Oppositionspreises ihr LWS-Lied. Lebhafter Beifall für die regierungskritischen Volksmusikanten im ehrwürdigen Münchner Maximilianeum. Freilich nur von Nicht-CSU-Leuten, denn von "den anderen", gar von der Staatsregierung hatte sich niemand eingefunden, auch wenn der "Wilhelm-Hoegner-Preis" immerhin nach einem bayerischen Ministerpräsidenten - dem einzigen der SPD - benannt ist.
Seit 1988 vergibt die Landtags-SPD alljährlich die Auszeichnung an Persönlichkeiten, die sich im Sinne von Hoegner als dem Vater der Bayerischen Verfassung um Erhalt und Sicherung der Freiheits- und Bürgerrechte verdient gemacht haben. Nach diversen Politikern und Publizisten wie Hildegard Hamm-Brücher, Hans-Jochen Vogel, Carl Amery oder Ernst Müller-Meiningen ging der Preis erstmals an vier Künstler: an den Schauspieler Jörg Hube und an die drei Brüder Christoph, Hans und Michael Well von der "Biermösl Blosn".
Als "Botschafter für ein aufgeklärtes, weltoffenes Bayern" bezeichnete SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget die vier Künstler und stellte dabei deren musikalisch umrahmte Lesung von Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" in den Münchner Kammerspielen heraus. Die stets ausverkaufte Präsentation von Feuchtwangers Schlüsselromans aus dem Jahr 1930 werde Geist und Anspruch des linken Patrioten Hoegner "nach einem aufgeklärten, weltoffenen und heimatverbundenen Freistaat beispielhaft gerecht", betonte Maget.
Herbert Riehl-Heyse von der "Süddeutschen Zeitung" erinnerte in seiner Laudatio daran, dass das in Feuchtwangers Roman skizzierte Politik-Personal (dem Hube auch bei der Feierstunde markant Gehör verschaffte) einem auch 70 Jahre später "irgendwie bekannt vorkommt". So wirke etwa der heutige Innenminister Beckstein "wie dem Roman entsprungen", meinte Hans Well.
Die 5000-Mark-Preissumme reichte Well weiter: 4000 Mark an die Flüchtlingsorganisation "Refugio", 1000 Mark an den NS-Zwangsarbeiter-Entschädigungsfonds der Deutschen Industrie: "Als kleinen Anreiz an Firmen wie Dallmayr, damit sie auch mitmachen."
erarbeitet von Wiedamann, Susanne


AUGSBURGER ALLGEMEINE vom 18.10. 2000

"Kampf gegen Amigoismus"

Hoegner-Preis für die Well-Brüder und Jörg Hube

München (hogs).

In Bayern ist immer noch vieles anders. Wenn einer zur "Durchlüftung des miefigen Klimas" (Laudator Herbert Riehl-Heyse) beiträgt, kann er schon preiswürdig sein. Besonders kräftig durchgelüftet jedoch haben nach Ansicht der SPD-Landtagsfraktion der Schauspieler Jörg Hube und die Brüder Hans, Christoph und Michael Well von der "Biermösl Blosn".
Dafür haben sie aus den Händen von Franz Maget, Vorsitzender der Landtags-SPD, den Wilhelm-Hoegner-Preis erhalten. Die 5000 Mark, mit denen der Preis dotiert ist, gaben die vier Künstler umgehend weiter und traten damit gleich den Beweis für ihr Image als unbequeme Stichler an. 4000 Mark gehen an die Münchner Flüchtlingsorganisation Refugio. Die restlichen 1000 Mark spendeten die Preisträger mit sarkastischem Augenzwinkern dem Stiftungsfonds der deutschen Industrie zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern.
So und ähnlich hätten sich Hube und die Well-Brüder, die im Landkreis Fürstenfeldbruck zu Hause sind, für ein "aufgeklärtes, weltoffenes Bayern und gegen den weithin grassierenden Amigoismus" engagiert, sagte Maget in der offiziellen Begründung für die Preisvergabe im Maximilianeum. Sie seien "Botschafter unseres Freistaats, so wie wir ihn lieben, in der ganzen Welt geworden".
Der SPD-Fraktionschef hob vor den mehr als 200 Gästen vor allem die Lesung und musikalische Umrahmung von Lion Feuchtwangers Roman "Erfolg" in den Kammerspielen hervor. Die vier Ausgezeichneten würden mit dieser gemeinsamen Arbeit Hoegners Anspruch beispielhaft gerecht.
Der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner war Ministerpräsident in Bayern und musste 1933 vor den Nazis fliehen.

Biermösl Blosn