Pressestimmen - Seite 9


Münchner Merkur 22.11.2003

Besondere Bajuwaristik-Vorlesung

"Biermösl-Blosn" im Hörsaal 14: Groteskes, Absurdes und Böses

VON ANDREAS BESCHORNER Freising - Sie sind drei Kabarett-Weise und kommen aus dem Land, wo das Leichenschauhaus im Landhausstil errichtet wurde. Die Well-Brüder aus Hausen, bekannt und in Polit-Kreisen gefürchtet als "Biermösl-Blosn", gaben am Donnerstag im "Food & Life Sciences-Campus-Bayern-Land" Weihenstephan eine Vorlesung in vergleichender Bajuwaristik. Bierflaschen zierten einen voll besetzten, jubelnden Hörsaal 14, als das spitzzüngige und böse-Buben-Trio die Grüße der bayerischen Staatsregierung überbrachte.

Den Well-Brüdern, die sich erst einmal über die wunderbaren und ungezählten Baustellen in Freising ausließen und offen bekannten, "mia san überhaupt nicht beeindruckt", war wieder einmal zwischen Landlern, Schnadahüpfl und Polkas nichts heilig. Nicht die Kirche, nicht das bayerischen Brauchtum (das, wie so vieles andere, für die Studis ins Englische übersetzt wurde: "Tradischn"), und schon gar nicht die CSU.

Im "High-Tech-Paradies, wo a billige Wohnung wia a Sechser im Lotto is" und wo ein "Minister um ein Haar" das Sagen hat, war die groteske Überzeichnung weiß-blauen Lebenswandels Trumpf. Absurditäten beim Maibaum-Stehlen ("May-Tree-Hunting"), eine virtuos gespielte, mit absurden Satzbezeichnungen gespickte "Suite Bavarese" zum Feuerwehr-Jubiläum, eine "Raver-Messe" mit DJ Kaplan, St. Blasius im Techno-Fieber und einer Wandlung mit Red Bull, oder auch durch Fensterln an katholisch scharf geschliffenen Alu-Rollos von Segmüller bewirktes "Fingerstumpenpainting" als Keimzelle der Lüftmalerei - die "Biermösl-Blosn" zog alle Register.

Und immer wieder die CSU, immer wieder die "fratres Zasterienses", immer wieder das Kabinett mit "Erwin dem Huber" und "Otto dem Säufer", das im Zwölffingerdarm von "Edmund dem Frommen" tagt. Die "verbeamtete Unterwelt der Bayerischen Staatskanzlei" im Land von "Black-Fishing, Black-Burning und Black-Voting" stand ebenso unter schwerem Verbal-Beschuss wie die bis ins Groteske gesteigerten Jagdszenen, bei denen sich die in weißen Bogner-Loden gewandeten Promis gegenseitig abknallen.

Schuahplattler, "Rohr frei" mit Alphörnern oder auch "Drehleier unplugged" - dass das Instrumentarium der Well-Brüder schier unerschöpflich ist, diesen Beweis trat die "Biermösl-Blosn" im Hörsaal 14 zu Füßen der ältesten Brauerei der Welt (die laut Well`scher Kunde für manche auch "die schlechteste der Welt" sei) natürlich auch an.

Ihre Domstadt-Hausaufgaben hatten die drei Herren für das "Transrapid-Subventionsfest" also gemacht. Ansonsten schwelgten sie - wie nicht anders zu erwarten und von den Zuhörern nicht anders erhofft - in musikalisch ausgetüftelten Polit- und Brauchtums-Skurrilitäten - zur Begeisterung der jubelnden Zuhörer.


Südkurier 21.10.2003

Mensch, gib acht in der Nacht

"Biermösl Blosn" im Theaterstadel mit "Wellcome to Bavaria"

Den Rasen nicht gemäht und nicht für die Freiwillige Feuerwehr gespendet? Das kann arg werden, warnen Christoph, Hans und Michael Well von der Biermösl Blosn aus dem bayrischen Hausen. Bild: Büsche

Uan...tuu...srree", zählt er. "Uan, tuu, trree - Saund-Tschäck." Die beiden anderen auf der Bühne nehmen es gelassen. Sie haben ja auch viel Zeit. Denn im Saal da sitzen Fans - eingeschworene sogar. Die können ruhig ein bisschen warten. Es folgt ein ausgiebiges Stimmen der Instrumente. "Ihr dürft weiter ratschen", wendet sich Hans Well ans Publikum. Derweil sein Bruder Christoph die Saiten seiner Harfe durchzupft.

Sie sind wieder in Markdorf. Die drei Well-Brüder, die, wenn sie auf der Bühne stehn, "Biermösl Blosn" heißen. Es ist ihr fünfter oder sechster Auftritt. So genau wissen sie das selber nicht. Der Frank Schirl vom "Theater Stadel" übrigens auch nicht. Er erinnert sich nur daran, dass er noch ganz klein war, als die "Biermösl Blosn" zum ersten Mal auf den Gehrenberg kam. Damals mussten sie noch im Wirtshaus spielen, anno 79, in einer klitzekleinen Ecke links neben der Bar. Und überhaupt, die allerersten Künstler im Stadel, das waren die Well-Brüder auch.

Trotzdem, sie verbreiten keine Spur von Sentimentalität. Sicher, es gibt da Erinnerungen: "Immer noch hat`s hier mehr Obst als Verstand." Beinahe gäbe es auch ein Wiedererkennen: "Eure Hänge habt ihr ganz schön zugebaut mittlerweile." Aber, das Biermösl-Blosn-Trio sagt es unverblümt - zum Besseren hat sich am Bodensee kaum was gewandelt seit dem letzten Auftritt: Staus auf der B 33 und in Überlingen eine Therme, "die in Glascontainer nei g'hört".

Wie schön ist es dagegen in Bayern. Droben blaut der weißbewölkte Himmel. Drunten blühn die Wiesen, akkurat auf 2-Zentimeter-Halmlänge gestutzt. Und drinnen in den Bayern seis schwärzer denn je. Recht heimelig wär es obendrein. Seitdem die allermeisten Bauern zu Stuben-Musikanten wurden. Freilich, nur die, die in den Gemeinderäten sitzen, konnten ihren Boden mit wirklichem Gewinn verkaufen - als Bauland. Dafür hätt's im gesamten Land keine Bausünden. Von den Hütten bis zu den Palästen, von der Sparkasse zur Lagerhalle - alles alpin, stilecht rustikal-bayerisch.

Aber tun muss man halt was dafür. Für den Zusammenhalt, für die Einheitlichkeit. Klatschend fährt Christoph Wells Peitsche durch die Luft. Wehe dem, der da nicht für die freiwillige Feuerwehr spendet. Hans und Michael Well blicken grimmig, singen böse Lieder. Wehe dem, der da immer noch seinen Misthaufen hat, vis à vis vom Garten-Center. Oh weh, wenn einer die Gebirgsschützen als Trachten-SS bezeichnet. Mensch, gib acht in der Nacht.

Verspätetes Intermezzo. Der Christoph Well, der am Anfang seine frisch gestimmte Harfe sogleich aus der Hand gelegt hat - und, weil's viel zünftiger ist, einen Dudelsack anblies, dieser Christopf greift zur Trompete - und spielt Bach. Friedemann zwar, dafür aber so elend gut, dass es Bach-Vater glatt die Dauerwelle rausgehauen hätte, wenn er`s hören könnte. (Frenetischer Beifall).

Auf die Schenkel hauen wird sich dagegen, wo immer er weilen darf oder muss, Vater Strauß. Wenn er hört, was die Wells von seinem Sohn Max erzählen. Mit den allerharmlosesten Sargträger-Minen stehn sie da, singen und sagen sich manches im Trauerton. Vom Staatsanwalt, der beim Ermitteln unter die Räder kam, die vom LKW. Von wundersam verschwindenden Festplatten und Akten, im Justizministerium, dem bayrischen.

Wer soviel weiß und die Leute trotzdem so zum Lachen bringt, wer außerdem so gut singen, so gut spielen kann, wer dann auch noch so viele Zugaben geben muss, der hat allen Grund zur Gelassenheit beim Stimmen. Weil alles stimmt und passt bei der Biermösl Blosn. Jörg Büsche


Münchner Merkur - München Nord 29.09.2003

Auf der Suche nach der Ortsmitte

Biermösl Blosn begeistert in Kirchheim

Kirchheim (agm) - Die Biermösl Blosn hat nicht immer Recht: Von wegen die Kirchheimer finden alle zwei Tage bei den verschiedensten Ausgrabungen alte römische Jungfrauen, nur ihre Ortsmitte nicht. Wer bei all dem Dorffest-Trubel (siehe Bericht links) die Ortsmitte nicht fand, der war im falschen Kirchheim. Die beliebten Well-Brüder waren richtig, und der Hinweis auf die fehlende Ortsmitte natürlich doch irgendwie berechtigt.

Natürlich ging es im Programm vorwiegend um bayerische und deutsche Politik. Viel lieber aber lachten die Zuhörer im voll besetzten Zelt, wenn es beim frechen Gesang der virtuosen Kabarett-Musiker um lokale Themen, wie die ungeliebten Nachbarn in Aschheim ging. Da schwang und ratterte die alte Drehleier: "Super Instrument - damit kann man auch Kreisel machen." Zum "running gag" wurde der Hinweis auf die fähigen Nachbarn, die eben Kreisel rund hinkriegen ("Selbst die Aschheimer haben das gepackt"), nicht wie die komischen Kirchheimer, nur eierförmig oval.

Dass Bürgermeister Heinz Hilger der allergrößte, wirklich großartig, einfach ein großer seiner Art ist, verriet die Biermösl Blosn ebenfalls: "Er ist der Größte, wirklich der allergrößte, neben, äh, neben zwei Gartenzwergen..." Aber auch Hilger-Herausforderin und Rechtsanwältin Susanne Merten-Wente (CSU) bekam ihr Fett weg. Ist das nicht die, die so gerne klagt? Da gab es doch auch einen Wahlkampf: Ob die Tassen noch im Schrank sind?

"Ich habe die Biermösl Blosn seit langem erstmals wieder gehört", meinte Hilger und schwärmte: "Die bringen schon eine super Stimmung. Das hat Spaß gemacht."


Süddeutsche Zeitung 19.09.2003

Lachen ist ein äußerst anarchistischer Akt“

Ein Gespräch mit Christoph Well über das bayerische Publikum und die Lust am Derblecken

Dietramszell - Unterbayern heißt sie, ist ganz neu und die erste CD der Biermösl Blosn seit fünf Jahren. Schon 26 Jahre macht sich das brüderische Trio gleichermaßen unbeliebt in den Amtsstuben wie beliebt beim Publikum. Kürzlich wurde es mit dem Bayerischen Brauereipreis geehrt. SZ-Mitarbeiterin Katrin Fügener sprach mit Christoph Well, dem jüngsten der drei Brüder, über Programm, Publikum, Politik und vor allem Spaß.

SZ: Wie kommen Sie an den Stoff?

Well: Das ist alles was, uns auffällt. Der Hansi macht daraus dann die Texte und ich mach die Vertonungen dazu. Darüber wird dann lang debattiert und gestritten und wenn dann irgendwann jedem von uns dreien der Text und die Melodie gefällt, dann singen wir's auf der Bühne, bei einer Veranstaltung, die der Michael ausgesucht hat.

SZ: Haben Sie seit der letzten CD immer das Gleiche gespielt?

Well: Nein. Die Sachen, die wir vor fünf Jahren aufgenommen haben, sind mit der Zeit aus dem Programm herausgenommen worden. Dafür sind die Lieder und Stücke eingesetzt worden, die jetzt auf der neuen CD sind. Wir haben kein statisch festes Programm, bloß ein Gerüst, wie man einen Abend aufbaut. Da erzählen wir von unserer Heimat in der Nähe von Hausen und um Hausen herum. Aber alle Nummern dazwischen sind relativ austauschbar. Anders ist es, wenn wir eine Theaterproduktion wie Crème Bavaroise im Cuvilliés-Theater machen. Da gibt es eine richtige Premiere.

SZ: Woher wissen Sie die kleinen lokalen Ereignisse an jedem Ort?

Well: Was wir nicht aus der Lokalzeitung wissen, erfahren wir von unseren „Informellen Mitarbeitern“, dem „Bi-Si“, Biermösl-Sicherheitsdienst am Auftrittsort. Das sind Leute, die wir zwei Stunden vorher in der Garderobe zufällig treffen und die uns was erzählen. Besonders geeignet sind Feuerwehrleute, Sport- und Kulturvereinler, die mitten im Leben der Gemeinde stehen, sonntags in die Kirche und danach ins Wirtshaus, also die Nachrichtenzentrale gehen. Wenn der Informant schlecht war, merkt man das sofort, spätestens auf der Bühne.

SZ: Wie aktuell sind Sie politisch?

Well: Weniger tagespolitisch aktuell, aber akut. Das Publikum ist ja relativ sensibilisiert auf Themen wie Deutscher Orden oder die Geschichte mit der Festplatte vom Max Strauß. Das wissen noch zumindest einige. Die Lieder kann man jetzt vor der Landtagswahl gut singen und sicher auch noch danach. Sobald man aber merkt, das Publikum versteht sie nicht mehr, dann hat es keinen Zopf, damit weiter aufzutreten.

SZ: Wie mischen Sie politisches und Alltagskabarett?

Well: Wir singen nicht drei Lieder hintereinander über den Edmund Stoiber. So unterhaltend ist er auch wieder nicht, auch nicht in der Gebirgsschützenuniform. Da nimmt man den Erwin Huber mal dazu oder den Sonnleitner. Dazwischen erzählt man von dem neuen Umgehungssammler von Hausen, vom Mai-tree-hunting, black-fishing und black-voting und auf einmal ist man wieder bei der Partei, die dabei ist sich den Freistaat Bayern unter den Nagel zu reißen. Die Mischung ergibt sich einfach, das ist bunt durcheinander. Es wäre auch langweilig, immer nur auf die CSU einzudreschen oder auf den Maget Franz und die verschlafene SPD. Die gehören nach der Landtagswahl wahrscheinlich sowieso unter Artenschutz.

SZ: Wie reagieren denn die Derbleckten?

Well: Das ist unterschiedlich. Die Politiker verhalten sich oder tun zumindest sehr liberal, weil das Sich-derblecken-lassen halt in Bayern dazugehört wie die katholische Kirche zur CSU. Da ist zum Beispiel in der „Crème Bavaroise“ der Faltlhauser drinnen gesessen, dem hat das sehr gut gefallen, der war begeistert, rein äußerlich. Der Zehetmair ist auch immer ganz begeistert, und der Erwin Huber hat gesagt, er steht schon lange auf die Biermösl Blosn, aber wir sollen mehr Musik spielen als Texte machen. Die Politiker sind da wie die Fische, die haben auch keine Schmerzzone. Eine Großbrauerei hat jetzt einmal heftiger reagiert, weil ihr Name erwähnt worden ist. Den anschließenden Briefwechsel lesen wir jetzt auf der neuen CD vor, und das ist recht lustig.

SZ: Worüber lachen die Leute am meisten?

Well: Entscheidend ist, wie pfiffig die Nummer ist. Es ist immer eine durchaus große Zustimmung im Publikum vorhanden. Schlecht sind Pointen, die man schon eine Strophe vorher weiß. Am meisten wird gelacht, wenn etwas komplett unerwartet und unverschämt daherkommt. Da ist es egal, ob das politisch ist. Solange das Publikum humorfähig ist, macht das Spielen Spaß.

SZ: Sie haben also das Gefühl, dass Sie etwas bewirken?

Well: Für die Leute ist das nicht so ein Comedy-Abend, wo sie über irgendwelche Werbespots ablachen. Das ist schon tiefer. Es ist einfach schön, wenn die Zuhörer da hocken und lachen und eine Gaudi haben und wir auf der Bühne auch. Das ist eine angenehme Arbeit, eine gemütliche und lustige. Wir wollen ja nicht ein Publikum bekehren und sein Wahlverhalten ändern. Ich bin ja kein Pfarrer, Lehrer und schon gar kein Politiker. Man unterhält die Leute mit den Sachen, die einem auffallen. Ob sie die Welt nach einem Biermösl-Konzert anders sehen sei dahingestellt. Aber sie haben wenigstens über Parteien, Institutionen, Vorgesetzte, die ihnen stinken und auch über sich selbst lachen können. Und Lachen ist ein äußerst anarchistischer Akt. So haben wir wahrscheinlich die CSU jetzt wieder unter hundert Prozent gedrückt, den Verbrauch von Warsteiner in Bayern gedrosselt und verhindert, dass der Ratzinger Papst wird.

SZ: Wo spielen Sie am liebsten?

Well: Wir spielen sehr gern im Oberland. Die Leute sind vom „Host mi“ her wirklich schnell, extrem humorfähig. In Vilsbiburg oder im bayrischen Wald, da macht's genauso Spaß zu Spielen, aber die Leute sind langsamer. Und in der Oberpfalz sind sie noch langsamer, dafür aber um so heftiger. Es kommt eher auf die Lokalität an. Ich spiele lieber in Weidach in einem Bierzelt als in der Loisachhalle, dieser Kulturvollzugsanstalt. Die Penzberger Stadthalle ist auch ein schöner Ort zum Auftreten, weil sie einen Charme hat. Ein Bierzelt ist von Haus aus eine Mordsgaudi, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

SZ: Was machen Sie, wenn der Saal leer ist?

Well: Das ist uns lange nicht mehr passiert. Das letzte Mal vor 22 Jahren mit Gerhard Polt in der Tonhalle in St.Gallen vor einer Hand voll Leute, alles Fans. Das war trotzdem sehr lustig. Wenn das öfter passieren würde, müssten wir das Programm überprüfen. Wenn wir merken, dass die Leute über bestimmte Sachen nicht lachen können, dann ist der Witz einfach nicht gut genug. Aber das Problem hat sich noch nie gestellt, auch nicht in den schwärzesten Gemeinden. Eigentlich ist es so: Je schwärzer die Gegend, desto lustiger sind die Leute drauf, wenn man einen Witz über die CSU macht. Es ist eine tolle Selbstironie da, und das ist es, was uns gefällt am Publikum in Bayern. Sie gehen sowieso dann wieder zur Beichte, also zur Wahl.

SZ: Befürchten Sie Konkurrenz durch Comedy-Shows?

Well: Nein. Das Publikum kennt den Unterschied und honoriert, dass wir nicht BR- und Stefan Raab- kompatibel sind. Diese Szene, habe ich manchmal das Gefühl, geht nur auf die Bühne, um Geld zu verdienen. Wir sind in unserer Freizeit aufgetreten, um Dampf abzulassen und waren dann ganz überrascht, dass wir damit etwas verdient haben. Inzwischen machen wir das hauptberuflich und leben recht gut davon.

SZ: Würden Sie auf Comedy umschwenken, wenn keiner mehr zu Ihren Auftritten käme?

Well: Ganz bestimmt nicht, genauso wenig könnten wir uns in Trachtenandroiden für eine volkstümliche Jodelmonstershow verwandeln. Wir würden nie ein Lied machen, um es beim Moik oder Stefan Raab zu vermarkten. Unsere Musik ist wie unsere Heimat, und die verkauft man nicht. Auch die CD haben wir nicht unter dem Aspekt gemacht, wie sie sich am besten verkauft.

Uns war wichtig, einen repräsentativen Querschnitt der letzten vier Jahre zu machen. Wir treten auch nicht so oft auf, weil wir uns die Gaudi, Frische und Einmaligkeit eines Abends erhalten wollen. Wenn dabei das Publikum auch Spaß hat, macht es uns noch mehr Spaß. Der Spaß ist unbezahlbar. Wenn wir beim Spielen keine Gaudi mehr haben, dann mögen wir nimmer.


Süddeutsche Zeitung 18.09.2003

Finsteres Unterbayern

Auftritt in Otterfing als Mitschnitt auf CD erhältlich

Landkreis - Wer ein bisschen Glück hat, kann sich auf dem Foto im Booklet der neuen Biermösl Blosn-CD „Unterbayern“ selbst entdecken. Wenn das nichts ist! Auf der anderen Seite: Was ist das schon verglichen mit dem, was auf der CD zu hören ist: Konzertmitschnitte der Biermösl Blosn aus jüngster Zeit, unter anderem vom Festzelt des TSV Otterfing, wo die Well-Brüder am 27. Juni aufgetreten sind.

Und diese Auftritte hatten es durchaus in sich. Zwar sind da schon einige „normale“, „lustige“ Stücke darunter, die auch Spaßmacher anderer Couleur verwenden könnten. Aber die Biermösl Blosn ist eben nach wie vor für Höhepunkte gut, bei denen jedes allzu wohlfeile Lachen im Hals stecken bleibt. Das nutzt sich auch beim Wiederhören nicht ab. Sensationell vor allem die finstere Nummer mit den drei Sargträgern, die unter seufzerschweren Trauertönen eine Geschichte dahermurmeln, die man lieber für fiktionale Schöpfungen von Kabarettisten halten möchte, doch sie ist leider ganz der Wirklichkeit entnommen: Die Friedhofsangestellten rollen auf, wie es zum Tod jenes Staatsanwalts kam, der offenbar zu viel von Max Strauß’ Machenschaften wusste. Düstere Satire, aber wie grandios aufbereitet – es darf den Rücken herunter rieseln.

Auch sonst schießen die Well-Brüder wieder scharf. Stoiber darf bei den Biermösln endlich mit Berlusconi und Haider die Lega Süd gründen. Der ländliche Auto-Prolet kriegt sein Fett genauso ab wie die Traditionsbewahrer, die beim Maibaumklau irrtümlicherweise an einen Funkmasten geraten. Der Deutsche Orden zieht nach Weyarn und muss sich, in standesgemäßem, aber verhunztem Latein, als Orden „mammonis zasterciensis“ bezeichnen lassen.

Nicht alle lassen so etwas stoisch über sich ergehen, davon kündet der Bericht eines Briefwechsels mit der Warsteiner Brauerei, der eins zu eins auf der CD wiedergegeben ist: Die Brauerei des marktherrscherlichen Fernsehbieres hatte gegen eine Biermösl Blosn-Satire protestiert und ihr so besten Stoff an die Hand gegeben. Geschieht ihnen recht: Niemand vergesse fürderhin, dass die Begriffe Warsteiner und Aspirin einfach zusammengehören. Diese Nummer ist die einzige Anmoderation, die auf der CD übrig geblieben ist: schade zwar, gibt es an diesen Stellen live doch kräftig zu lachen, zumal hier auch die ortsrelvanten Spitzen abgefeuert werden können, aber halt unvermeidlich für eine überregional vertriebene CD.

„Unterbayern“ heißt die aktuelle CD, ein schöner Titel, weil viel darin mitschwingt: Sind das Bayern, die aus einem anderen, bislang unbekannten Bezirk unseres Landes kommen? Befindet man sich einfach unter seinesgleichen, unter Bayern also? Oder bezichtigen die Rotzfrechen, die auf dem Titelbild aus dem Untergrund emporklettern, sich hier gar als Untermenschen? Egal, wichtiger als alle hilflose Exegetik ist: Diese CD darf zu den besten im Werkkatalog der Biermösl Blosn gezählt werden und überzeugt beileibe nicht nur in Erinnerung an den großartigen Otterfinger Abend. Erschienen ist sie beim eigenen Label der Musiker „Mood Records“, zu haben nicht über die großen Vertriebswege, sondern über den Zweitausendeins-Versand, www. zweitausendeins.de.

THOMAS MIESBACH


Merkur Online 09.09.2003

"Am liebsten ein Tragl Bier im Jahr"

Auszeichnung für die Biermösl Blosn

VON CONNY SÜSS München - Am liebsten wäre Hans Well von der legendären Biermösl Blosn zwar keine "Vitrinenangelegenheit", sondern "ein Tragl Bier im Jahr". Aber da könnte der Musiker wohl enttäuscht werden. Denn die "Goldene Bieridee 2003", mit der die Biermösl Blosn heute für ihre Verdienste um den Erhalt der traditionellen Dorfwirtshäuser ausgezeichnet wird, ist ein Acrylglasquader. Aber freuen wird sich das Kult-Trio sicher trotzdem. Schließlich: "Der Preis ist eine große Ehre", sagt Hans Well - "nicht nur wegen des Namens."
Seit 1999 wird die "Goldene Bieridee" von den bayerischen Brauern sowie dem bayerischen Hotel- und Gaststättenverband verliehen, jeweils in drei Bereichen: In der gastronomischen Präsentation werden heuer die Inhaber des Hofbräuhauses Traunstein ausgezeichnet, der Traditionspreis geht an das Brauereimuseum Kulmbach. Und dann waren da noch die Gebrüder Well. "Die Biermösl Blosn macht sich durch ihre Texte und ihr Engagement sehr für die regionale Erhaltung mittelständischer Brauereien stark", begründet Walter König vom bayerischen Brauerbund die Preisvergabe. So würden Hans, Stofferl und Michael Well beispielsweise als "Well-Buam" nur in alten Dorfwirtschaften auftreten.

Bei der Preisverleihung wird das Kult-Trio voraussichtlich das berühmte "Dosenpfandlied" zum Besten geben. Ein Thema, das den poltischen Musikern ganz besonders am Herzen liegt. "Sollte das Dosenpfand aufgehoben werden, ist das eine große Gefahr für die Mittelständler, weil es dann die billige Dose gibt. Und dann ist das weltweit beste Bier in seiner Vielfalt in Gefahr", befürchtet Well. Deshalb sollte bei Wahlen nicht nur auf die bundespolitischen Einstellungen der Parteien geachtet werden. "Die Menschen sollen bei der Wahl selbst aktiv werden und ihre Landtags-Abgeordneten fragen, wie sie zum Dosenpfand oder zur Kernenergie stehen. Das wäre ein mündiger Wahlkampf", sagt Hans Well.

mm


Münchner Merkur 22.08.2003

Die Infos zur Wahl

"Unterbayern": Ausgschamts von der Biermösl Blosn

"Ordo teutonicum in bavaria/ vivat evangelium/ pecunia non olet d'moral is/ ruachan raffn protzn scheiß/ drauf sei's drum" - gesungen in edel-vergeistigter Gregorianik. So was Ausgschamts kann nur von der Biermösl Blosn stammen . . . Mit dem Hinweis "rechtzeitig zur Bayerischen Landtagswahl" kündigt Mood-Records mit der neuen CD von Christoph, Hans und Michael Well umfassende Informations-Hilfe für den demokratischen Souverän, das Volk, an: So packen die drei nicht nur den oben erwähnten Deutschen Orden hart an, sondern natürlich auch Staatsregierung und Firmen, aber vor allem die eigenen Landsleut', denen 's Diridari halt nie z' gschtingert is'.


"Unterbayern" heißt die CD. Fleißige Biermösl-Konzert-Geher werden die Lieder (fast) alle kennen. Auch die wunderschönen rein instrumentalen Zwischenstücke, bei denen Trompete oder Harfe ganz sie selbst sein dürfen. Die Well-Brüder sind Bayern unter Bayern. Und kennen sie so genau, dass die bei den Well'schen Verserln schon allein deswegen lachen müssen, weil sie sich dauernd ertappt fühlen: die Auto-, Handy- oder Hunderl-Deppen mit aufgemotztem Geländewagen, Dauerpiepser oder "feinem Wurschti" auf der Maximilianstraße; die Politiker sowieso, die mit Bäder-Zwick, verschwundener Strauß-Festplatte und geldgeiler Landschafts-Verhunzung gezwackt werden. Bei der Wirtschaft war ja früher die BayWa der Blosn besonders ans Herz gewachsen, jetzt hat Warsteiner das Vergnügen. Genüsslich verliest Hans Well den Briefwechsel mit der Brauerei, die sich auch noch "brewery" tituliert. Das, was sie als Bier verkauft, soll nicht mit "Schädelweh" zusammengstanzelt werden. Das Trio bietet flexibel Alternativen: Gerstensaft im "Castortransport" oder kombinierte Einnahme mit Kopfschmerzmittel - wie hätten S'as denn gern?

Zwischen Händel-Ton und Gesäß-Sound

Auf dem Cover des CD-Büchleins schlupft die Biermösl Blosn am Gullideckel vorbei nach oben. Nicht der "Dritte Mann", sondern drei Mann, die wieder eine Super-Mischung aus Musik (von "Ooo, Mariiaa hilf" bis zum zackigen Drive) und Text gefunden haben. Ihr Unterbayern ist kein Untergrund für Gangster, sondern wahrer bairisch(sprachig)er Ur-Grund. Aus dem ein Walter von der Vogelweide kam und ein Valentin, ein Nestroy oder Graf, eine Fleißer und ein Bernhard, ein Orff, eine Jelinek oder ein Polt, der übrigens auf der Platte zweimal kurz, aber heftig und herrlich zu hören ist. Vielschichtig wie diese Unter-Urgrundler - so kann auch die Biermösl Blosn zwischen strahlendem Händel-Ton und deftigem Gesäß-Sound, bei dem ein BSE-Bauer landesväterliche Hinterbacken mit dem Ochsenfiesl malträtiert, einfach alles: "Und die Moral von der Geschicht'/ Dieses Lied kommt im Bayerischen Rundfunk nicht!"

Biermösl Blosn: "Unterbayern" (Mood Records).


SIMONE DATTENBERGER


Süddeutsche Zeitung 20.08.2003

Die neue Biermösl-Blosn-CD

Überbayern - ein Meisterwerk

unterbayern.jpg (45292 Byte) Vom authentischen Briefwechsel mit der Brauerei Warsteiner über das Maibaumstehlen der Riederer Buam, bis zu Moshammers Daisys Hundebandwurm - Unter Bayern ist die beste CD der Well-Brüder seit zehn Jahren. FRANZ KOTTEDER

Zum wichtigsten Handwerkszeug des politischen Kabarettisten gehört die Tageszeitung, schon klar. Freilich möchte man als Zeitungsjournalist fast schon ein bisschen übermütig werden, wenn man beispielsweise feststellt, dass solche Heroen wie die Biermösl Blosn ihre neue und lang erwartete CD akkurat genauso benennen wie jene Kolumne im Bayernteil der SZ, die jeden Samstag die Leser (hoffentlich) erfreut. „Unter Bayern“ heißt die Platte, je nach Lesart auch „Unterbayern“, und sie ist soeben erschienen beim Heidelberger Label „Mood-Records“.

Wäre man boshaft, könnte man natürlich auch mutmaßen, die drei Burschen sind inzwischen einfach so weit, dass ihnen nichts Neues, nichts Eigenes mehr einfällt, und sie müssten nun eben sogar für den Titel ihrer Platte auf die Zeitung zurückgreifen.

Weit gefehlt! „Unterbayern“ ist die beste Biermösl-CD seit etwa zehn Jahren. Oder sagen wir: die beste „reguläre“, denn da gibt es ja noch die gemeinsamen Platten mit Jörg Hube und Feuchtwangers „Erfolg“, es gibt die Räuber- und Wildschützenlieder, die irgendwie außer Konkurrenz laufen und auf ihre Art feinste Ware sind. Aber eben so genannte „Side Projects“, wie man das mittlerweile auch im Land von Laptop und Lederhose nennt.

Die Biermösl Blosn, vulgo: die Brüder Hans, Stofferl und Michael Well, sind aber hauptsächlich doch politische Kabarettisten, die der heimischen Volksmusik eine neue Bedeutung gegeben haben, indem sie deren Tradition als Ventil des Volkszorns gegen alle Willkür und Schweinereien der Obrigkeit ernst nehmen und das in aller Regel durch zeitgemäße Texte zum Ausdruck bringen. Selten aber ist ihnen das so gut gelungen wie auf „Unterbayern“.

Die Obrigkeit, das sind heutzutage halt nicht nur die gewählten Volksvertreter von der CSU, das sind auch die Großunternehmen, das ist das Dogma vom freien Wettbewerb, und das sind die Hofnarren, die irgendwie dazugehören zum gesamten, mehr schlecht als recht funktionierenden System.

Es ist manchmal ein leichtes Spiel, sich darüber lustig zu machen. Besonders, wenn man solche Vorlagen bekommt wie die von der Brauerei Warsteiner, die sich tatsächlich nicht entblödet hatte, sich schriftlich bei der Biermösl Blosn darüber zu beschweren, dass ihr Brauereierzeugnis in einem der Lieder dieser Gruppe angeblich zu schlecht weggekommen war. Der Briefwechsel, der sich daraus entwickelte, ist von vorne bis hinten authentisch und nichtsdestotrotz einer der Höhepunkte auf der CD: Realsatire, wie man sie kaum für möglich hält.

Zum Brüllen komisch, weil da jemand offensichtlich überhaupt nicht kapieren will, wie er nach Strich und Faden verarscht wird und sich dabei selbst am meisten schadet. Nach dieser Nummer wird man jedenfalls den Namen „Warsteiner“ nicht mehr hören können, ohne zugleich an „Aspirin“ zu denken.

Lustig, natürlich, wie vieles auf dieser CD: wenn die Riederer Buam zum Maibaumstehlen gehen und aus Versehen den Sendemast von E-Plus abschleppen („Mai Day“). Wenn Moshammers Daisy den Hundebandwurm verbreitet („Wo is er denn?“).

Wenn der Offroad-Fahrer mit seinem Büffelgitter, dem „ACT-Hochleistungsgetriebe im Arsch, Differenzialsperre im Hirn“ und dem „Servo-Sportlenkrad zwischen de Zähn“ wegen der wunderschönen Squaw mit dem solariumgebräunten Body an der Ampel die wartende Schlange vor ihm zusammenschiebt („Off Road“).

Spaßige Glanzlichter, wie man sie von den Well-Brüdern erwarten darf. Darüber hinaus aber auch ein wahrhaft düsteres Genrebild, aus der Cuvillièstheaterproduktion mit Gerhard Polt: „Obatzt is – Crème bavaroise“, die bestes zeitgenössisches Politkabarett ist: „Am Grab“ heißt die gut sechs Minuten lange Nummer, in der sich drei Sargträger über die achte Beerdigung des Tages unterhalten.

Ein Oberstaatsanwalt ist es, der verkehrt ermittelt hat in schwierigen politischen Geschäften und dabei eines äußerst mysteriösen Todes gestorben ist. Der aufmerksame Leser der Tageszeitung weiß übrigens, dass hier sehr wenig bis gar nichts erfunden ist. Aber wie es umgesetzt wird, macht es zu einem Meisterwerk des politischen Kabaretts: Es fröstelt einen beim Zuhören, gerade weil es so erschreckend nahe an der Wahrheit ist und weil es so beinahe selbstverständlich scheint, was da erzählt wird.

Der Biermösl Blosn ist es jedenfalls mit dieser CD gelungen, gewissermaßen neuen Honig zu saugen aus dem schon etwas abgegriffen scheinenden Kunstgriff, traditionelle Volksmusik mit neuen Texten zu verbinden. Die Wirklichkeit eines rundum globalisierten Bayerns darzustellen, ist eine schwierige Aufgabe. Und manchmal geht das offenbar mit den Mitteln des Kabaretts fast besser, kenntlicher, als mit den Mitteln der Tageszeitung. Muss man neidlos feststellen.


Münchner Merkur  01.07.2003

Kung-Fu-Plattler und Totengräber beim Mai-Tree-Hunting

Biermösl Blosn mischt Festzelt-Publikum in Otterfing restlos auf

VON SOPHIE PLITZ Otterfing - "Mach ma a Konzert in Otterfing, oder mach ma koans? Ja, mia mach`n a Konzert, aber wenn mia a Konzert mach`n, dann mach ma a Super-Konzert." So hat Christoph Well seine Brüder Hans und Michael höchstwahrscheinlich vor dem Auftritt motiviert. Und das war es dann auch, ein Super-Konzert, das die Biermösl Blosn beim Kultur- und Rockfestival im Rahmen der 1000-Jahr-Feier in Otterfing gab. Das preisgekrönte Trio zündete im restlos ausverkauften Festzelt ein Feuerwerk von Bissigkeiten, hintergründigem Humor und bester bayerischer Live-Musik - an diesem Abend blieb kein Auge trocken. Die drei Brüder, übrigens drei von 15 Geschwistern, zogen unerbittlich vom Leder, was besonders den Nerv der politisch Wachen traf. Auch die Otterfinger wurden nicht verschont und gnadenlos durch den Kakao gezogen, sei es wegen eines undichten Aula-Dachs oder einer unfertigen Chronik. Unverwechselbar verbindet die Biermösl Blosn ursprüngliche bayerische Volksmusik mit bissigen satirisch-politischen Texten. Ob in ihrem Lied über das traditionelle "Mai-Tree-Hunting" zwischen Ried und Hausen, bei dem sich die Diebe einen Bandscheiben-Vorfall zuzogen, denn "der Hauser Maibaum war aus Aluguss und ein Sendemast von E-Plus", oder über den internetsüchtigen Pfarrer, der beim chatten einen Kaplan kennen lernte, der die Kinder mittels einer "Ravermess`" und gepiercten Wundmalen wieder in die Kirche brachte.

Ob als über die bayerische Justiz herziehender Totengräber-Chor, als Kung-Fu-Plattler oder bei ihrem heroischen Kampf gegen Rollos im Kammerlfensterl-Workshop - die Besucher lachten Tränen. Manchmal reichte nur ein schräger Ton aus "Stopherls" Tuba, ein Blick oder eine kurze Geste, und der Saal brach in schallendes Gelächter aus. Donnernden Applaus gab es für das Ständchen zum 50sten Jubiläum der BayWa, bei dem die Brüder, die mit der Volksmusik groß geworden sind, pointiert das Verhältnis des bayerischen Ministerpräsidenten zum Bauern-Präsidenten besangen. Königlich amüsierten sich die Besucher auch über die "Brieffreundschaft" zwischen der Warsteiner Brauerei und der Biermösl Blosn. Erstere fand es gar nicht lustig, dass die Well-Brüder in ihrem Lied "Wasser g`hört zum Waschen" singen: "Wer freiwillig so a Warsteiner sauft und hat Schädelweh hinterher, mit dem ham mir koa Mitleid, dem g`hört einfach nicht mehr." Da die Brauerei mit der neu gedichteten Zeile "... Warsteiner g`hört in an Kastor-Behälter nei" auch nicht einverstanden war, bot die Biermösl-Blosn einen - wie Hans Well betonte - letzten Vorschlag zur Güte an: "Zur Gülle gehört der Urin und zu einem Warsteiner ein Aspirin." Dass sie nicht nur Artisten des Spotts ohne jeglichen Respekt sind sondern vor allem brillante Musiker, davon überzeugten sie ihr Publikum bei der Jam-Session "Jeder gegen jeden". Vor allem "Stopherl", der zwölf Instrumente beherrscht, begeisterte mit seinem mehr als extravaganten Harfenspiel. Doch auch "Hansi" und "Michal" stellten ihre enorme Musikalität unter Beweis, nicht zuletzt bei ihrer mit Alphorn bestückten Zugabe "Rohr frei". Nach über drei Stunden ging für die Zuschauer ein unglaublich lustiger Abend zu Ende. Fazit ist allerdings: Die Biermösl Blosn kann man nicht beschreiben, man muss sie erlebt haben.


Biermösl Blosn