Süddeutsche Zeitung 26.11.08
CSU
Abgesang aufs Bayernland
Wer
gedacht hat, mit dem Rücktritt von Edmund Stoiber
gebe es keine witzigen CSU-Zitate mehr, der irrt: Jetzt spottet
die Biermösl Blosn.
Von Katja Auer
Es war nicht zu
erwarten, dass ein derart emsiger CSU-Kritiker wie Hans
Well den Niedergang der bayerischen Staatspartei
einfach so vorbeigehen lassen würde. Einem, der seine
Texte zu nicht unerheblichen Teilen aus den Missgriffen dieser "weltweit
singulären Volkspartei" speist, wäre da einfach
zu viel Potential verlorengegangen.
Und so hat Well,
Texter und Sänger der Biermösl
Blosn, zusammen mit dem Frankfurter Schriftsteller Jürgen
Roth eiligst eine CD herausgebracht: "Der Untergang
des Bayernlandes" heißt sie und ist nach eigener
Beschreibung ein "Vivat auf die erfolgreichste Partei
der Welt".
Dabei sah es zunächst so aus, als sei der humoristisch
verwertbare Teil der Politik mit dem Abgang von Edmund Stoiber
vorbei. Damals schon hatten Roth und Well "Stoibers
Vermächtnis" auf CD gepresst, eine Ansammlung der
kuriosesten Reden des früheren Ministerpräsidenten
- vom Transrapid-Gestotter über Stoibers Erguss über
Problembären und Schadbären bis zur Erläuterung,
dass er in seiner Freizeit gelegentlich Blumen im Garten
hinrichte.
Dass sich ein
neues Werk anbietet, stellte sich erst am Abend des 28.
September heraus. Am Tag, "an dem die
Welt in Trümmer fiel". So ist das erste Kapitel überschrieben.
Gert Heidenreich liest vom "Tag des Grauens", dem
28. September, von der "Havarie jener formidablen Doppelspitze" aus
Günther Beckstein und Erwin Huber.
"Der Sturzflug, in dem die berühmteste Partei
des Planeten aus den himmlischen Höhen einer Zweidrittelmehrheit
gerissen ward und der sie auf den knochenharten Boden einer
beschämenden relativen Mehrheit aufschlagen ließ,
dieser Sturzflug sucht in der Geschichte der zivilisierten
Völker seinesgleichen", liest Heidenreich.
Die Autoren haben
bemerkenswerte Zitate zusammengesammelt, etwa von Huber: "Bayern hat seine eigene Partei, die
CSU." Passend singt die Biermösl Blosn: "Es
muss ein Sonntag gwesen sein, ein Tag voll hellem Sonnenschein,
es war ein Glückstag ganz gewiss, wia unser Bayernland
entstanden ist."
Dass der Niedergang
jenes Landstrichs und seiner Staatspartei schon 2005 begann,
als Stoiber den Job als Superminister
von Angela Merkel ablehnte, und von Beckstein und Huber lediglich
fortgeführt wurde, auch das wird auf der CD festgehalten.
Sogar Landesgruppenchef
Peter Ramsauer ist verewigt: "Das
ist eher eine Vernichtabschiedung, das ist in keiner Weise
eine Entstoiberung Berlins", sagt er zu Stoibers Rückzug.
Fein ironisch wird sie herausgearbeitet, die Diskrepanz zwischen
Bierzelt-Reden und Hinterzimmer-Geklüngel, die schließlich
gipfelt im Unerhörtesten, was es in der CSU jemals gegeben
hat: Der große Ehrenvorsitzende Stoiber wird beim Parteitag
am 25. Oktober 2008 ausgepfiffen.
Die Begründung findet sich in der Moritat vom Edi Messer,
frei nach der "Dreigroschenoper", worin der Edi
seine Nachfolger am Isarhochufer meuchelt. Ein Drama Shakespeare'schen
Ausmaßes sei das, sagen die Autoren, "das Ende
der glorreichen Historie einer einzigartigen Partei".
Und doch hat das
letzte Wort der große Ehrenvorsitzende: "Glauben
Sie mir, es wurden keine Scherben zerbrochen." |