| Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir das erste Mal mit
Gerhard Polt im ehrwürdigen Hamburger Schauspielhaus auftraten, als erstes Stück einen
schönen Landler spielten und das eigentlich als reseviert geltende Hamburger Publikum
dabei wie entfesselt zu schunkeln begann. Diese ironische Reaktion, wie ein pawlowscher
Reflex ausgelöst durch bayerische Musik, relativierte sich dann zwar sehr schnell mit dem
nächsten Lied, doch solche Klischeevorstellungen begegnen uns auch in Teilen Bayerns
immer wieder. Auf der einen Seite das Image der Volksmusik als erzkonsevativ bis reaktionär,
auf der anderen das Deppenbild der Volkstümlichen. Die mangelnde Fähigkeit vieler
Menschen, Volksmusik von volkstümlicher Musik zu unterscheiden, hat hauptsächlich
regionale und mediale Ursachen. Bayern ist das einzige Land Deutschlands, in dem noch eine
traditionelle Volksmusik existiert, im übrigen Deutschland ist sie längst
verlorengegangen. Durch das Wissen um das Original ist die Abneigung gegen volkstümliche
Musik in Bayern auch am weitesten verbreitet. Tümlich kommt von so tun als ob
Eine entscheidende Rolle für die Verwechslung von
Volksmusik und Kitsch spielen die Medien. Grand Prix der Volksmusik, Schlagerparade der
Volksmusik und viele andere Sendungen der volkstümlichen Unterhaltung vermischen ja ganz
bewußt beide Begriffe, impliziert das Wort Volksmusik doch Volksverbundenheit und die
Legimitation, im Namen des Volkes zu singen. Die volkstümliche Musik meidet generell den
Widerspruch zur Masse oder herrschenden Meinung. Tümlich kommt - habe ich nachgelesen - von
so tun als ob. Nicht das Volk tut hier allerdings "so als ob", sondern eine
verkaufsinteressierte Industrie in bester Kumpanei mit öffentlich-rechtlichen und
privaten Sendern, indem sie ein Surrogat an verlogenen Glücksgefühlen und abgefeimten
banalen Musikklischees verbreiten. Der Unterhaltungschef des BR bei einer Tagung 1992 bei
den Tutzinger Medientagen zu diesem Thema: "Je schwerer und je kälter die Menschen
die Welt erleben,... umso mehr entsteht das Bedürfnis bei vielen Zuschauern, dafür ein
Äquivalent zu bekommen... Texte und Melodien sollen für wenige Stunden vom Druck der
Realität ablenken." Von Problemen ablenken - so beschreibt man normalerweise bei
Süchtigen, warum sie Rauschmittel nehmen. Das Prinzip dahinter ist das der totalen
Unterhaltung, durch die Einführung der privaten Medien erst richtig in den Galopp
gebracht.
Die Substanz volkstümlicher Musik besteht hauptsächlich
aus musikalischen und textlichen Klischees, mit leichter Dialektfärbung versehen, um den
Umsatz durch sprachliche Exotik nicht einzuengen, und ist dem Schlager und der Popmusik
wesentlich näher als originärer Volksmusik. Sie lebt, wie die Schlagerbranche, vom
Bedürfnis ihrer Konsumenten nach Illusionen und einer heilen Welt, zeitlich und ideell
ist sie meist in den Grenzen Großdeutschlands von 1938 beheimatet. Das Frau - Mann -
Rollenverhalten in den Texten ist traditionell, der Alkohol spielt in vielen
Liedern die Rolle des Stimmungsmachers, nicht positive Realivitätsbezüge (Miesmacherei)
sind unerwünscht und wenn, dann nur stark verkitscht üblich. Die Phantasietracht steht
ähnlich wie der Trachtenanzug und das Dirndl bei Politikern als optisches Signal für
Heimatverbundenheit und Naturnähe. Permanentes Mitklatschen erzeugt beim Publikum, mit
dem sich der Moderator bei allen Gelegenheiten zu verbünden versucht, ein
Gemeinschaftsgefühl. Zwar hat diese Musik einen traditionellen Anstrich in der
Instrumentierung, im Arrangement, in der Rhythmik. Doch alle diese Elemente werden
hochartifiziell und synthetisch mit neuen Elementen vermischt.
Musik mit Ersatzstoffen und
Geschmacksverstärkern
Charakteristikum des musikalischen Heimatkitsches ist eine
postmoderne Zitatkollage, die einen sofortigen Wiedererkennungseffekt garantieren soll.
Die Sehnsucht nach Heimat, ein Grundbedürfnis des Menschen, wird gnadenlos ausgenützt.
Mit den volkstümlichen Darstellern dieser Heimat kann man sich identifizieren. Hier wird
deutsch gesungen, wie Marianne und Michael bei ihren Auftritten unter tobendem Applaus
betonen - als ob das Gebotene dadurch besser würde. Volkstümliche Musik ist die
musikalische Parallele des röhrenden Hirsches in der Malerei, zu Jodlerbalkonen und
urigen Wagenrädern an Eternitwänden um thuyenumzäunte Doppelhäuser. Bei den
Zillertaler Schürzenjägern ist am klarsten zu erkennen, wie sie - die Zielgruppe der
inzwischen gealterten Rock - Generation im Visier - ganz nach Schema F Elemente
volkstümlicher Musik mit Phrasen aus der Rockmusik vermischen. Wer durch das Zillertal
fährt, der sieht, wie symbiotisch die Musik der Zillertaler Schürzenjäger und der ganze
Stadlkitsch zu den Betonjodlerbettenburgen in derartig durch Massentourismus
zerstörte Täler paßt. Diese Musik ist Ausdruck einer Fast - Food - Gesellschaft, ein
musikalischer Big Mac, mit Ersatzstoffen und Geschmacksverstärkern aus der Retorte
produziert und wie das Genfood dem Original nachempfunden.
So wie immer mehr Kinder Tomatenketchup für das Original -
die Tomate - halten, so wird durch den Dauerbeschuß a la Musikantenstadl das Original
dieser Musik immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Fast alle volkstümlichen Gruppen
schmücken sich bezeichnenderweise mit dem Titel Original - wohl wissend, daß dies in
einer gerade daran armen nivellierten Mediengesellschaft als Qualitätskriterium gilt und
diese Musik und ihre Protagonisten genau das Gegenteil von original sind. Das original
Trompeten - Solo, mit dem Stefan Mross den Grand Prix der Volksmusik gewann und das den
Moderator Karl Moik zu öffentlichen Tränen rührte, ursprünglich von einem Original
Studiomusiker. Das Playback ist überhaupt das Original - Musikinstrument der
lustigen Musikanten.
Endlich: das Kufsteinlied auf
koreanisch!
Als wir in Südkorea im Rahmen einer vom Goetheinstitut
organisierten Tournee spielten, war für uns interessant zu beobachten, wie sehr das
deutsche Kulturgut auch dort von volkstümlichen Klischees verklebt ist. Jodlerlokale mit
Alpsjodler gibt es gleich mehrere in Seoul, und Teile des Publikums waren zutiefst
überrascht, daß bayerische Musikanten ums Verrecken nicht das Kufsteinlied und den
Schneewalzer spielen, sondern diese - wie ein koreanischer Musikprofessor es ausdückte -
"eigenartig schöne Musik". In "Lotte World", dem koreanischen
Disneyland, jodelt aus einer Ecke permanent die volkstümliche Hitparade, und das
Kufsteinlied wurde gottseidank jetzt endlich auch ins Koreanische übersetzt. Kein Wunder
bei dem, was vom volkstümlichen Wirtschaftsstandort Deutschland so über den Äther
schunkelt. So ist z.B. Stefanie Hertel in der global ausgestrahlten Deutschen Welle in
einer Kultursendung zu sehen, wie sie mit leicht wiegendem Rhythmus ziemlich
zusammengezwickt als alpenländisch gewandetes Mädel aus Thüringen die Schlichtheit
volkstümlicher Texte unter Beweis stellt.
Der Auftritt des Musikantenstadels 1996 in Südafrika ist
schon in die Annalen der alpenländischen Fernsehkulturgeschichte eingegangen und wurde
inzwischen mindestens zweimal wiederholt. Während der Sendung hielt mich nur das Prinzip
Hoffnung aufrecht, daß die zahlreichen Bildstörungen auf Kabelattacken irgendwelcher
Pygmäenstämme zurückzuführen waren, die sich diesen vom BR zu verantworteten Angriff
auf die menschliche Kultur nicht länger mitanschauen wollten. Eine Live - Sendung von
über zweieinhalb Stunden aus Südafrika, in der dann nur Voll - Playback gesungen und
musiziert wird, ist - ganz abgesehen von den Kosten - schon irgendwie ziemlich absurd.
Noch schlimmer aber war, daß diese Peinlichkeit live im Südafrikanischen Fernsehen
übertragen wurde. Was werden sich wohl die Zulus dabei gedacht haben, als Heino Schwarzbraun
ist die Haselnuß playbackte und die Raataldirndln erkennbar synchronjodelten ?
Wahrscheinlich haben sie sich gewundert. Warum nach den "Stadln" in Australien,
Kanada, Moskau und Kapstadt als nächstes nicht eine Livesendung mit Marianne und Michael
von der Raumstation "Mir san Mir", um das Bild vom Alpenländischen
Kulturweltburger auch Außerirdischen zuteil werden zu lassen? Die Kulturarbeit der
Goethe - Institute wird mit jeder dieser Sendungen um Jahrhunderte zurückgeworfen, so daß das Schließen vieler Insitute insofern nur konsequent ist. Freilich hat es Kitsch zu
allen Zeiten gegeben. Bemerkenswert scheint mir allerdings die Dominanz dieser stupiden,
teilweise debilen Musik, ohne daß offensichtlich der sonst nicht unbeträchtliche
politische Einfluß im Interesse einer vielfältigeren kulturellen Selbstdarstellung
geltend gemacht wird.
Wer hier auf die Einschaltquoten verweist, sollte an
Huxleys Zukunftsvisionen erinnert werden: "Wenn sich eine Kultur in Trivialitäten
zertstreut, wenn öffentliches Reden (Singen) zu einer Art Baby - Gestammel verkommt,
kurzum, wenn sich ein Volk in ein Publikum von Zuschauern verwandelt... dann ist ein
solches Land aufs höchste gefährdet und das Absterben seiner Kultur zeichnet sich
ab." Ohne gleich den Untergang des Abendlandes beschwören zu wollen: Der Niedergang
eines qualitativ guten und vielfältigen Volksmusikerbes und seine Ablösung durch einen
kitschigen 0815 - Ersatz ist leider eine traurige Tatsache.
Echte Volksmusik wird
andachtsmäßig zelebriert
Was ist aber mit der "echten" bayerischen
Volksmusik? Die traditionelle Volksmusik ist von ihrem Selbstverständnis her genau das
Gegenteil der Volkstümlichen und überläßt ihrer Namensklitterin ohne die leiseste
Gegenwehr mit angewiderter Verachtung das Feld. Trotz intensiver Pflege durch Heimat- und
Volksmusikpfleger siecht sie ziemlich schwerkrank vor sich hin. Unspektakulär ist ihre
Selbstdarstellung und Unterhaltungselemente werden von den "hundertprozentigen
Volksmusikpäpsten" - von denen es eine ganze Menge vor allem in führenden
Positionen gibt - generell gleichgesetzt mit Show - Schnickschnack und sind deshalb streng
verpönt. Echte Volksmusik soll andachtsmäßig zelebriert werden, Humor gilt als
Sakrileg.
Die Texte und Stückeln der "gepflegten"
Volksmusik sind die Zierde jedes Bauernhofmuseums. Einfach, geradlinig und bäuerlich,
also echt bayerisch, ist das Bild vieler Volksmusiker von sich selbst. Sie pflegen Musik
in dem Bewußtsein, letzte Mohikaner zu sein, auch wenn sie tagsüber bei Siemens oder der
City Bank arbeiten. Das Dorf wird von der Volksmusikpflege und ihren Aktiven vorwiegend in
der Kirche gelassen, Frömmigkeit und s' bayerische Herz sind stark ausgeprägt - der
Unterleib wird meist vergessen. Andacht ist die richtige Stimmung bei einem Hoagascht in
den Pfarrheimen und Volksbildungsstätten. Von Knechten und Mägden handeln die Lieder,
vom schönen Fruahjohr, von Fuhrleuten, Rössern, Bauern und dem Herrgott. Wie bei
volkstümlichen Musikern ist eine eigenartige Scheu zu konstatieren, die Welt so zu sehen,
wie sie ist. So singen die unzähligen Dreigesänge halt am liebsten weiter über
Scherenschleifer, Hirtabuam, Mägde und Knechte statt über zünftige Siemensler. Auf de
Oima gibt's Koima und keinerlei Massentourismus oder Massentierhaltung in den Tälern.
Hauptsache, im Lied ist das Altmühltal kein Altmühlkanal. Man muß diese Bezüge zur
Jetztzeit bestimmt nicht bierernst bringen, aber das völlige Ignorieren jeglicher
Realität führte zum Austrocknen und zum Museumszustand der Volksmusik.
Schade drum! Es liegt ja soviel Kraft, Witz und Schönheit
in dieser Musik, daß es schon weh tut, ihren Niedergang beobachten zu müssen. Die
traditionelle Volksmusik ist tausendfach vielfältiger als der einfältige volkstümliche
Kitsch. Natürlich gibt es auch schlechte unter den "echten" Volksliedern, aber
sie sind nie verlogen und bloß für einen schnellebigen Supermarkt hergestellt. Daß sie
oft so fad gesungen werden, liegt an den Gruppen, die immer die gleichen Stücke
auswählen und vor allem an den Sängern, denen die Reinheit des Dreiklangs wichtiger ist
als die Lebendigkeit und Gaudi beim Singen. Von großer Bedeutung dafür, daß ein so
reichhaltiger Volksliederschatz erhalten geblieben ist, waren zweifellos die großen
Sammler wie Kiem Pauli, Kurt Huber und Wastl Fanderl, um nur die populärsten zu nennen.
Trotzdem darf man nicht übersehen, daß sie aus "volkspädagogischen" Gründen
einen wichtigen Bereich von Liedern ausschlossen. Der Wert ordinärer, deftig erotischer
oder obrigkeitsfeindlicher Lieder wurde nicht erkannt. Teils wurden sie gar nicht
gesammelt, wudurch ein verfälschtes, geschöntes Bild des Volkes geschaffen wurde, teils
weigert sich eine prüde Volksmusikgemeinde, solche Lieder wahrzunehmen. Ein Lied wie
"Es wollt ein Bauer früh aufstehn" aus dem Glogauer Liederbuch des 16.
Jahrhunderts wäre in seiner Deftigkeit und Aufmüpfigkeit ("Der Pfaff der schrie o
Schreck o Graus und hielt den Arsch zum Fenster raus") auf einem Volksmusiktreffen
heute absolut undenkbar. Solche Lieder und Texte, die Aggressionen und Wutgefühle gegen
weltliche und geistliche Obrigkeiten ausdrückten und früher ebenso verbreitet waren wie
"schöne" Lieder, fielen fast gänzlich unter den Tisch. Wenige erkannten wie
Georg Queri, der in seinem Buch "Kraftbayerisch" Haberfeldtreiben, erotische
Lieder und Gstanzl aufzeichnete, den Wert solcher Lieder als ungeschminkten Ausdruck des
Volkes. Dadurch, daß inzwischen die meisten großen Volkssänger wie der Roider Jackl,
Kraudn Sepp, Weiß Ferdl, Josef Eberwein oder die Geschwister Simböck aus dem Innviertel
gestorben sind, hat die Volksmusik die letzten Persönlichkeiten verloren, die noch
Volksliedtexte schrieben und originell vortrugen.
Die Voraussetzungen sind
ungünstiger geworden
Eine abgestorbene Volkskunst wird leider auch durch Pflege
nicht viel lebendiger. Die Voraussetzungen dafür haben sich ja auch immer ungünstiger
entwickelt. Es gibt keine Wirtshäuser mehr in den Dörfern, statt dessen Thuyenzäune und
Fernseher. Die Lehrer haben sich als Träger einer dörflichen Kultur schon längst
zurückgezogen. Ihren Teil zum Verschwinden der Volksmusik trägt sicher auch die musische
Erziehung an den Volksschulen bei. Singen war für unseren Vater, der als Rektor einer
Dorfschule mit den Kindern sehr viel musizierte, genauso wichtig wie Rechnen. Den wenigen
Lehrern, die überhaupt noch Kinderlieder wie "Henderl Pipi", "Hinter meim
Vodan sein Stodl" und was wir als Kinder so lernten, läßt der Leistungsdruck und
das Kürzen musischer Unterrichtsstunden heute weniger Spielraum. Die Bereitschaft, sich
nach dem Unterricht am Nachmittag noch die Last von Kindersinggruppen aufzubürden, ist
kaum mehr vorhanden. Außerdem wohnen ja viele Lehrer gar nicht mehr in dem Dorf, in dem
sie unterrichten, was die früher übliche Bindung an das kulturelle Leben dort stark
reduziert.
Eine große Schwierigkeit bedeutet das Verschwinden des
Dialekts, der in seiner regionalen Vielfalt ein wichtiges Merkmal der Volkslieder ist. Bei
einer Unterhaltungssendung des Bayerischen Rundfunks kürzlich sagten "Dingsda"
- Kinder zur Beschreibung der Moderatorin Carolin Reiber: "Das ist doch die, die
immer so bairisch spricht." Wer Carolin Reiber schon einmal erlebt hat, weiß, daß
sich ihr bairisch auf "gell" und das Wort "bißl" beschränkt. Aber
auch unter den "Dingsda" - Kindern war kein einziges, das nur annähernd einen
bayerischen Dialekt sprach. Vielleicht wäre das Singen bayerischer Kinderlieder auch eine
Möglichkeit, die - wie uns immer wieder bei Auftritten in ganz Deutschland versichert
wird - so schön klingende bayerische Sprache den Kindern wieder näherzubringen.
Die neue Volksmusik aus der
Kleinkunstszene
In den Siebziger und Achtziger Jahren haben sich in
Münchner Kleinkunstbühnen verschiedene Gruppen herauskristallisiert, die auf der
Tradition bayerischer Volkssänger und Volksmusikanten aufbauten. Diese Entwicklung wäre
ohne die Liederbücher und gesammelten Schätze eines Kiem Pauli oder Wastl Fanderl nicht
denkbar gewesen. Manche dieser Gruppen - wie unsere auch - engagierten sich zunächst vor
allem im Umweltbereich, zum Beispiel gegen Projekte wie Wackersdorf. Diese Gruppen waren
Teil einer musikalischen Kleinkunstszene Münchens - die es heute leider nicht mehr gibt-,
aus der sich die sogenannte neue Volksmusik entwickelte. Auch in diesem Bereich gibt es,
wie bei jeder Musik, gute und schlechte. Ich glaube aber, daß vor allem diese Entwicklung
eine Chance für die Fortsetzung einer volksmusikalischen Tradition bedeuten kann, weil
Texte und Inhalte aktualisiert werden und wieder mit der Wirklichkeit und dem jetzigen
Leben zu tun haben und somit auf der Höhe der Zeit sind. Damit bekommt ein größerer
Teil vor allem jüngerer Leute wieder einen Zugang zur Volksmusik - aber auch jene, die im
Hamburger Schauspielhaus bei unserem Ländler zu schunkeln anfingen. Natürlich gibt es
auch bei der "neuen" Volksmusik die Gefahr, daß sie sich durch die
Marktmechanismen einer originalitätssüchtigen Gesellschaft verbiegen läßt. Aber sie
trägt noch am ehesten die Möglichkeit in sich, der Bedeutung des Begriffs Volksmusik
wieder gerecht zu werden. |